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Der Teppich ist nie groß genug




 

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Als häufigen Einwand gegen die Einführung agiler Methoden hört man immer noch Sätze wie: „Das geht bei uns nicht, weil…“ Dringt man durch hartnäckiges Nachfragen zum Kern des Problems vor, stellt sich allerdings meist heraus, dass es eigentlich um Probleme in den internen Prozessen geht. Diese sind oft sehr wohl bekannt, werden aber als unveränderlich hingenommen und in Projekten so gut es eben geht umschifft. Agile Methoden machen solche Probleme schnell sichtbar. Dem daraus resultierenden Konflikt mögen sich viele aber nicht stellen – und so schiebt man dann lieber die Nicht-Umsetzbarkeit agilen Vorgehens vor.

Ein Beispiel, erst kürzlich erlebt, mag dies veranschaulichen: In einem Unternehmen wurde der IT-Abteilung ein sehr umfangreiches Anforderungsdokument vorgelegt, das eine entsprechende Anzahl an offenen Fragen und Widersprüchen enthielt. Auf den Vorschlag, das Projekt agil abzuwickeln und damit das Risiko zu minimieren, wurde entgegnet, dass dies leider nicht möglich sei. Es sei nicht zu erwarten, seitens der Fachabteilung einen entscheidungsbefugten Vertreter benannt zu bekommen. Vordergründig ist damit ein agiles Vorgehen natürlich nur schwer möglich. Doch das Problem wird auch durch ein Wasserfall-Vorgehen nicht gelöst – es wird nur unter den Teppich gekehrt. Dabei ist allerdings auch jetzt schon sicher, dass der Teppich niemals groß genug sein wird und das Problem irgendwann wieder darunter hervor kriecht. Es bleibt abzuwarten, ob es dann nicht sogar noch größer geworden ist.

Meine Erfahrung ist, dass es sich nicht lohnt, Probleme unter den Teppich zu kehren: Der Teppich erweist sich früher oder später als zu klein.

 

 

Quelle Foto: © tiero – Fotolia.com

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