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Verschnaufpausen für Unentbehrliche




 

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Um mich herum urlaubt es sehr. Da werden Ferienhäuser in Dänemark gebucht, Sonnenbrillen für Dubai gekauft, Tageszeitungen abbestellt und Hunde zu den Schwiegereltern gebracht. Alle Welt fliegt aus – bloß ich sitze hier am Schreibtisch, im Meeting, am Telefon. Na gut, vielen, die das jetzt lesen, geht es vermutlich ähnlich. Im Projektgeschäft ist die eigene Urlaubsplanung ja immer eine Gleichung mit vielen Unbekannten. Und sie gehört immer zu den Punkten, die auf der Prioritätenliste ganz unten stehen – oder dort erst gar nicht auftauchen. Dass das falsch ist, wissen die meisten. Doch was tun, wenn es im Projekt klemmt oder brennt und man einfach nicht raus kann?

In vielen Projekten, insbesondere in solchen, die komplex, herausfordernd oder gar krisenhaft sind, gibt es kaum jemals den „richtigen“ Zeitpunkt für eine Auszeit des Projektmanagers. Als externer Dienstleister ist man außerdem dem Kundenwohl verpflichtet und stellt seine eigenen Bedürfnisse dafür gern zurück. Schließlich macht einem die Arbeit ja auch Freude, und gerade schwierige Situationen spornen zu persönlichen Höchstleitungen an. Nicht zuletzt ist es natürlich auch ein wenig schmeichelhaft, wenn man für so unentbehrlich gehalten wird, dass eine permanente Anwesenheit im Projekt erwünscht ist. Und ist ein Auftrag abgeschlossen, steht oft der nächste schon am Start. Irgendwann macht sich die fehlende Erholung dann allerdings bemerkbar. Nachlassender Antrieb, gereizte Stimmung, ein dünnes Nervenkostüm und muskuläre Verspannungen sind die ersten Anzeichen für eine nötige Pause.

Falls es Ihnen ähnlich geht, und auch Sie Ihren Urlaub gerade einmal wieder in der Warteschleife geparkt haben, weil Ihr Projekt nicht auf Sie verzichten kann, gönnen Sie sich doch einfach ein paar kleine Verschnaufpausen. Das ersetzt die Ferien zwar nicht, hilft aber, sich selbst bei Laune und den Stress in Schach zu halten – damit aus der Dauerbelastung kein Burn out wird. Ich habe hier für Sie ein paar „Verschnaufer“ zusammengestellt, die sich in meiner Praxis ganz gut bewährt haben. Weitere Tipps sind höchst willkommen!

Zeitnahe Erholung: Auf eine besonders stressige Phase sollte „zeitnah“, also am besten sofort, eine kleine Belohnung folgen. Wurde z.B. wieder einmal das Wochenende durchgearbeitet, gibt es am Montag einen „Ausschlaftag“, an dem man es mit einem ausgedehnten Frühstück ganz ruhig angehen lässt.

Raus in die Natur: Egal ob Wald, Wiese, Meer oder Berg – die Natur hilft bestens beim Ausspannen. Dabei ist es ganz gleich, ob man sich für eine Stunde auf’s Fahrrad schwingt, einen kleinen Spaziergang macht oder sich einfach ruhig an einen schönen Ort setzt. Wer einen eigenen Garten hat, kann sich dort beim Umgraben, Jäten oder Pflanzen „erden“.

Halbe Tage: Auch der/die Unentbehrlichste ist einige Stunden am Tag abkömmlich. Wenn Sie auf Ihren Urlaub verzichten, vereinbaren Sie mit Ihrem Chef oder Auftraggeber ein paar „halbe Tage“. Damit aus der gewonnenen Zeit eine schöne Verschnaufpause wird, gönnen Sie sich etwas Besonderes: Besuchen Sie eine Kunstausstellung, verabreden Sie sich zum Picknick, gehen Sie mit Ihren Kindern in den Zoo, lassen Sie sich bei einer Massage verwöhnen usw.

Bewegungspausen: Viel öfter, als man zunächst denkt, lassen sich Bewegungspausen in den Arbeitsalltag integrieren. Ein Spaziergang geht eigentlich immer. Aber auch ein paar mittägliche Joggingrunden im Kollegenkreis sind meistens drin – wenn man nur will. Einen guten und nachhaltigen Erholungseffekt hat man auch, wenn man den Arbeitstag mit etwas Bewegung beginnt oder abschließt. Besonders geeignet dafür sind Laufen, Schwimmen, Walken oder Radfahren.

Echte Pausen: Gönnen Sie sich Zeiten, in denen Sie wirklich Ihre Ruhe haben. Gehen Sie an einen Ort, an dem Sie ungestört sind, schalten Sie Ihr Mobile aus, seien Sie einfach 15 Minuten nicht erreichbar und lassen Sie Ihre Gedanken frei schweifen. Pausen, in denen Sie schnell noch ein paar Rückrufe tätigen oder den Wocheneinkauf planen, sind keine Pausen.

Gedankenstopp: Abschalten kann ganz schön schwierig sein. Ein wenig leichter fällt es, den Kopf frei zu bekommen, wenn man sich selbst einen „Gedankenstopp“ für bestimmte Themen verordnet. Tauchen während einer Pause oder am Feierabend die als unerwünscht erklärten Gedanken auf, unterbindet man diese sofort mit dem Wort G-e-d-a-n-ke-n-s-to-p-p. Zur Verstärkung kann man das Wort z.B. laut aussprechen oder mit einer speziellen Handbewegung verknüpfen.

 

 

Quelle Foto: © vilainecrevette – Fotolia.com

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