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Keine Macht den Negaholikern!




 

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Trübe Novemberstimmung. Der Wind fegt nasses Laub durch Hamburgs Straßen, die Kälte kriecht den Rücken hinauf und noch bevor ich meinen Mantel an der Garderobe ablegen kann, höre ich zwei Stimmen aus dem Konferenzraum: „Hast Du schon von Rolands neuer Idee gehört? Ach das, das bringt doch sowieso nichts. Ist doch total sinnlos, da kann man nichts ändern, das wird nie was! Da mache ich nicht mit.“ Puuuuh, denke ich, schon wieder eine Versammlung bekennender Negaholiker. Woher nehmen manche Menschen bloß die unerschütterliche Gewissheit, dass immer alles schief geht? Muss das nicht furchtbar anstrengend sein? Na ja, vielleicht auch nicht. Denn wenn sowieso nichts gelingt, braucht man sich schließlich auch nicht anzustrengen. Ist also vielleicht mitunter auch ganz praktisch, so ein bisschen Schwarzseherei.

Diesen novembernebligen Gedanken schiebe ich ganz schnell beiseite, denn die ewigen Miesepeter sind wirtschaftlich gesehen mehr als ein kleines Ärgernis am Rande. In Unternehmen können sie das Betriebsklima vergiften, Innovationen ausbremsen und der Produktivität insgesamt wie ein schwerer Mühlstein um den Hals hängen. Es ist also wichtig, Negaholiker im Team (ebenso wie in der Chefetage) zu erkennen und Strategien im Umgang mit ihnen zu entwickeln.

Woran aber erkennt man Negaholiker? Am einfachsten lassen sich Negaholiker aufgrund ihrer grundsätzlich ablehnenden Haltung identifizieren. Ganz gleich, worum es geht: der Negaholiker sieht erst einmal die schlechten Seiten: Hindernisse, Ausschlussgründe, Risiken. Negaholiker denken in Problemen, nicht in Lösungen. Sie sehen zu allererst, was gegen eine Idee, einen Kandidaten, ein Projekt usw. spricht. Häufig handelt es sich bei solch chronischen Bedenkenträgern um analytisch starke Mitarbeiter. Analytiker können ihre Einwände und Bedenken meist gut begründen und man tut in manchen Fällen sicher auch gut daran, die Äußerungen sorgfältig zu prüfen und abzuwägen. Dennoch ist es sinnvoll, chronische Bedenkenträger in ihrem Wirken zu begrenzen, damit sie nicht zur Allzweckbremse werden.

Neben den  Bedenkenträgern findet man in Unternehmen häufig den Typus des frustrierten Negaholikers. Dies sind Personen, die mal offen, mal verdeckt, prinzipiell alles Neue abwehren, sich gegen jede Veränderung sperren, sich nirgends mehr engagieren – weil es ja sowieso keinen Sinn macht. Nach meiner Beobachtung hat man es hierbei oft mit Menschen zu tun, die ein geringes Selbstvertrauen haben und sich als wenig handlungsfähig erleben. Manchmal stecken tief sitzende berufliche Enttäuschungen hinter einem solchen Verhalten, manchmal handelt es sich aber auch um Duckmäuser, die sich mit ihrer ablehnenden Haltung aus allem ausklinken und versuchen, auf diese Weise Auseinandersetzungen zu vermeiden.

Typische Phrasen von Negaholikern sind:

  • „Da habe ich ja sowieso keinen Einfluss drauf.“
  • „Das wird nichts, bringt nichts, geht nicht.“
  • „Ob sich das lohnt?“
  • „Das hat schon damals nicht funktioniert.“
  • „Das brauche ich mir gar nicht anzuhören, das klappt sowieso nicht.“
  • „Warum sollten wir uns dafür anstrengen?“
  • „Es wird sich niemals etwas ändern.“

Der Umgang mit Negaholikern ist einigermaßen mühselig. Man braucht einen langen Atem und Widerstandkraft gegen eine mögliche Ansteckungsgefahr. In meinem beruflichen Alltag habe ich gute Erfahrungen damit gemacht, Negaholikern konsequent eine positive Perspektive abzuverlangen. Folgende Maßnahmen helfen mir dabei:

1. Lösungsorientierung statt Problemfokussierung: Endlosen Aneinandereihungen von Problemen begegne ich in Besprechungen oder Diskussionen mit einer konsequenten Unterbrechung. Es werden nur noch Redebeiträge zugelassen, die positive Formulierungen enthalten. Das stiftet anfangs mitunter Verwirrung, setzt aber zugleich enorme kreative Kräfte frei. Fragen, die diesen Prozess unterstützen sind: Was muss geschehen, damit XY ein Erfolg wird? Wie können Sie konkret dazu beitragen, dass XY ein Erfolg wird? Was brauchen Sie, um XY erfolgreich umzusetzen?

2. Zukunftsorientierung statt Vergangenheitsbewältigung: Dieses Muster bewährt sich ganz besonders in Krisensituationen. Es ist egal, wie ein Problem entstanden ist, wer „Schuld“ hat, was in der Historie „falsch“ gemacht wurde usw. Die Ursache eines Problems führt selten zu seiner Lösung. Es kommt vielmehr darauf an, was wir jetzt aus der Situation machen: „We are where we are – but here we go!“ Wo wollen wir hin? Wie sieht die Zukunft aus? Welche Schritte müssen wir tun, um dorthin zu kommen? Das sind die wichtigen Fragen.

3. Bremser ausbremsen: Wenn alles nichts hilft, stelle ich notorische Negaholiker kalt. Sofern sie keine positive Umformulierung leisten können, werden ihre Einwände öffentlich als Killerphrasen abgehakt. Das mag pädagogisch zweifelhaft sein, ist aber ziemlich wirkungsvoll.

Und was macht man, wenn man in manchen Phasen selbst mal zum Negaholismus neigt? Ich verfolge in solchen (zum Glück seltenen) Fällen verschiedene Strategien:

  1. Zu Gelassenheit zurückfinden. Wie das funktioniert, steht hier: Mehr Gelassenheit.
  2. Gedankenstopp-Technik anwenden. Einen kurzen Hinweis auf diese Methode gibt der Artikel Verschnaufpausen für Unentbehrliche.
  3. Glückstagebuch führen. Das ist ganz einfach: Jeden Abend vor dem Schlafengehen 5 Dinge aufschreiben, die an dem betreffenden Tag gut waren. Wenn man das über zwei, drei Wochen konsequent durchführt, hebt sich die Stimmung ganz automatisch und der Blick wird deutlich optimistischer.
  4. Zufrieden nach Hause gehen. Dazu habe ich vor einiger Zeit schon ein paar Gedanken formuliert: Am Ende des Tages

 

 

Quelle Foto: © Eduard Härkönen – Fotolia.com

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