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Wer ist hier eigentlich verantwortlich?




 

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In einer Runde sehr erfahrener Projektmanager begab es sich kürzlich, dass die Frage nach der Verantwortung für den Projekterfolg zu ganz erstaunlichen Differenzen führte.

In Projekten mit klassischem Rollenverständnis nach PMI oder IPMA konnte die Antwort relativ schnell gegeben werden: Der Projektleiter hat den Erfolg eines Projektes sicherzustellen.
Bei agilen Methoden hingegen scheint die Trennung in Product Owner, Entwicklungsteam und ScrumMaster eine Zuordnung der Verantwortlichkeit zu erschweren. Hier scheint es hilfreich, den Begriff „Erfolg“ zu differenzieren.

Product Owner

Der Product Owner übt Tätigkeiten aus, die ein Projekt nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten steuern. Er erstellt die Vision des Produktes und kommuniziert diese innerhalb der Organisation. Berechnung von Business Case und ROI dürfen dem Product Owner nicht fremd sein. Die Auswahl von User Storys und deren Priorisierung liegt ebenfalls in seinem Aufgabenbereich und erfolgt nach Kosten-Nutzen-Gesichtspunkten. Somit liegen beim Product Owner die wesentlichen Mittel, den wirtschaftlichen Erfolg des Produktes sicherzustellen, oder wie es im Scrum Guide (2011) heißt: „The Product Owner is responsible for maximizing the value of the product“.

Entwicklungsteam

Das Entwicklungsteam verpflichtet sich zu Beginn des Sprints, eine Auswahl an User Storys bis zu einem festen Zeitpunkt so umzusetzen, dass die Definition of Done erfüllt ist. Das Sprintergebnis muss den Qualitätskriterien genügen und potentiell produktiv einsetzbar sein. Für die Qualitätserreichung und somit den Sprint-Erfolg ist das gesamte Entwicklungsteam verantwortlich. Der Scrum Guide beschreibt dies so: „Individual Development Team members may have specialized skills and areas of focus, but accountability belongs to the Development Team as a whole.“.

ScrumMaster

Die Verantwortung des ScrumMasters liegt vor allem in der Einhaltung des Prozesses, laut Scrum Guide (2011) gilt: „The Scrum Master is responsible for ensuring Scrum is understood and enacted“. Das betrifft die Aktivitäten des Product Owners ebenso wie die Tätigkeiten des Entwicklungsteams. Wenn der Product Owner also sein Backlog nicht nach wirtschaftlichen Kriterien priorisiert, muss der ScrumMaster eingreifen. Wenn das Entwicklungsteam die Sprint-Ziele nicht erreicht, muss der ScrumMaster Einfluss nehmen, in dem er dies z.B. in der Retrospektive thematisiert, falls es nicht bereits die Team-Mitglieder tun.

Die Verantwortung des ScrumMasters für die Einhaltung der Scrum-Regeln und die kontinuierliche Verbesserung der Arbeitsweise führt ein Projekt ebenfalls zum Erfolg.

Das Zusammenspiel

Die Verantwortlichkeiten sind im Scrum-Framework somit klar definiert:

  • Den wirtschaftlichen Erfolg verantwortet der Product Owner.
  • Den Sprint-Erfolg durch Erfüllung der Definition of Done für die ausgewählten Sprint-Inhalte verantwortet das Entwicklerteam.
  • Die Sicherstellung für das Bewusstsein dieser Verantwortungszuordnung liegt beim ScrumMaster.

Abweichungen dieser Verantwortungsverteilung sind vom ScrumMaster transparent zu machen und als Impediments zu behandeln. Hierzu kann es auch gehören, nicht nur um die Hilfe des Managements zu bitten, sondern angemessene Aktivitäten vom Management einzufordern.

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Quelle Foto: © Mitarart – Fotolia.com

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