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Kreativ mit System – die Walt-Disney-Methode




 

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Der Name Walt Disney steht wie kein anderer für Phantasie, Kreativität und Ideenreichtum. Wer kennt nicht Figuren wie Micky Maus und Donald Duck oder Zeichentrickfilme wie Peter Pan und Alice im Wunderland? Disney begann seine Karriere als Zeichner, wurde ein Pionier des Zeichentrickfilms, der immer wieder mit neuen Animationstechniken experimentierte, er schuf zahlreiche Welterfolge der Filmgeschichte, gehörte zu den ersten Hollywood-Produzenten, die mit dem Fernsehen arbeiteten und gründete mit seinen Disneyland Vergnügungsparks eigene kleine Welten. Noch heute gilt Walt Disney als großer Innovator, und noch heute wird in den Walt Disney Film Studios ein Film-Hit nach dem nächsten produziert.

Träumen hilft

Keine Frage: Die Kreativität  – und Umsetzungskraft! – von Walt Disney ist legendär. Dem Vernehmen nach soll Disney sich für seinen Erfolg einer Methode bedient haben, die ebenso einfach wie wirksam ist. Es handelt sich dabei um einen strukturierten Perspektivenwechsel. Disney soll in seinem Büro drei verschiedene Arbeitsplätze gehabt haben, und zwar einen zum Träumen, einen weiteren, in dem er sich mit den Realisierungsanforderungen seiner Träume auseinandersetzte und schließlich einen Arbeitsplatz, an dem er als Kritiker seine Umsetzungsideen unter die Lupe nahm, um Verbesserungspotenzial aufzuspüren.

Es war einer der Gründer des NLP (Neurolinguistisches Programmieren), Robert Dilts, der diese Vorgehensweise nach Walt Disney benannte und einem breiteren Publikum bekannt machte. Heute gehört die Walt-Disney Methode zum Handwerkszeug vieler Berater und Führungskräfte und wird in unterschiedlichen Kontexten wie z.B. der Produkt- oder Geschäftsmodellentwicklung eingesetzt.

Walt-Disney-Methode: strukturierter Perspektivenwechsel

Die Methode ist schnell erklärt. Auf der Basis eines Rollenspiels schlüpfen die Teilnehmer des Workshops nacheinander in die drei verschiedenen Rollen „Träumer“, „Realisierer“ und „Kritiker“. Wichtig ist, dass mit der Rolle auch der Ort gewechselt wird. Am besten funktioniert der Prozess, wenn man drei verschiedene Räume zur Verfügung hat. Wer nicht so viel Platz hat, kann sich jedoch auch damit behelfen, in einem etwas größeren Raum drei Ecken entsprechend einzurichten und z.B. durch Pflanzen oder Moderationstafeln optisch etwas von einander abzutrennen. Profis gestalten die drei Räume bzw. Ecken nach den Rollen, die dort jeweils eingenommen werden. Der Träumer-Raum kann z.B. ein Sofa bieten, Grünpflanzen, bunte Bilder und andere Dinge, die eine Wohlfühlatmosphäre schaffen. Der Raum des Realisierers ist mit Arbeitsmaterialien bestückt, während der Kritiker-Raum aufgeräumt, kühl, schlicht und sachlich sein sollte. Zwischen den Raumwechseln sollten jeweils kurze Pausen eingelegt werden, dadurch fällt den Teilnehmern der Rollen- und Perspektivenwechsel leichter.

Im Träumer-Raum

Wenn Thema und Teilnehmer feststehen, kann es losgehen. Die kreative Arbeit beginnt im Träumer-Raum. Die Teilnehmer machen es sich gemütlich und lassen ihre Gedanken schweifen. Als Träumer nutzen wir unsere rechte Gehirnhälfte. Wir denken in Bildern, malen uns Visionen sprichwörtlich aus. In dieser Phase gibt es keine Einschränkungen und Begrenzungen. Alle Einfälle, Assoziationen, Gedankensprünge dürfen geäußert werden. Die Teilnehmer hören einander zu und spinnen die Ideen weiter und weiter.

Hilfreiche Fragen in dieser Phase sind:

  • Was wünsche ich mir?
  • Was wäre das tollste, größte, wahnsinnigste Ergebnis, das ich mir vorstellen kann?
  • Wie wird es sich anfühlen, wenn wir das Ergebnis erreicht haben?
  • Woran erkenne ich, dass wir am Ziel sind?

Im Realisierer-Raum

Im Realisierer-Raum konzentrieren wir uns auf das praktische Tun. Hier sind wir als Macher gefragt. Die Teilnehmer knüpfen sich ihre erarbeitete Vision vor und stellen sich Fragen wie z.B.:

  • Was brauche ich, um diese Vision/diese Idee umzusetzen?
  • Was ist bereits vorhanden?
  • Welche Zwischenziele brauche ich?
  • Welche Personen werden damit zu tun haben?
  • Womit fange ich an?
  • Wie kann ich überprüfen, dass ich auf dem richtigen Weg bin?

Im Realisierer-Raum geht es also darum, die Ideen des Träumers auf ihre Umsetzung hin durchzuspielen, bevor sie vom Kritiker näher geprüft werden. Dadurch wird verhindert, dass Ideen ausgeschlossen werden, bevor man ihr Potenzial erfasst hat.

Im Kritiker-Raum

Anschließend kommen wir in der Rolle des Kritikers zum Zuge, d.h. wir nehmen uns die Umsetzungsideen vor und klopfen sie nach Verbesserungsmöglichkeiten ab. In dieser Phase helfen Fragen wie diese:

  •  Welches sind die Chancen und Risiken?
  •  Was wurde übersehen?
  •  Von wem ist das Ergebnis abhängig?
  •  Was fehlt am Plan?
  •  Worauf müssen wir besonders achten?
  •  Welche Einwände könnten von welcher Seite kommen?

Kreativer Kreislauf

Aus den Ergebnissen der Kritiker-Phase werden abschließend Fragen abgeleitet, die wiederum an die Rolle des Träumers weiter gegeben werden. Damit beginnt der eigentliche kreative Kreislauf. Die Teilnehmer gehen wieder in den Träumer-Raum und rufen sich noch einmal die Bilder und Visionen aus dem ersten Durchgang wach. Das aus dem ersten Durchlauf durch die Differenz zwischen „Ist“ und „Soll“ gewonnene Problem wird zum Träumen und Weiterspinnen gegeben. Wurde genug geträumt, folgt der Perspektivenwechsel zum Realisierer. Kurz wieder die Ideen des Träumers durchspielen und nach einer kurzen Pause an den Kritiker übergeben. Der Kritiker kann nun seine Fragen verfeinern. Wichtig ist, dass die Fragen konstruktiv und möglichst positiv formuliert sind (Beispiel: Statt zu fragen „Wie soll eine derart kostenintensive Umsetzung funktionieren?“ sollte es besser heißen „Welche Möglichkeiten gibt es, die Umsetzungskosten zu senken?“).

Die Teilnehmer werden schnell erkennen, wann kein weiterer Durchlauf mehr notwendig ist. Sind keine relevanten Fragen mehr offen oder zeigt sich, dass eine weitere Runde kein Optimierungspotenzial mehr birgt, ist der kreative Prozess abgeschlossen.

Zur Walt-Disney-Methode gibt es zahlreiche Abwandlungen. Man kann die Methode, wie vorgestellt, im Team anwenden oder auch für sich allein. Man kann das Team gemeinsam die Perspektivenwechsel durchlaufen lassen oder auch bereits vorher Untergruppen bilden, die die verschiedenen Rollen einnehmen und zu einem späteren Zeitpunkt tauschen. Selbst die Reihenfolge der einzelnen Phasen kann verändert werden. Entscheidend ist jedoch, immer mit der Träumer-Position zu beginnen.

Die Walt-Disney-Methode ist ein einfacher, hochwirksamer, flexibler Prozess, der obendrein noch jede Menge Spaß macht. Probieren Sie es aus!

Quelle Foto: © jpopeck – Fotolia.com

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