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Oben oder unten? Statusspiele im Job




 

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In unserem Wohnzimmer gibt es neuerdings Kämpfe. Erbittert sind die Schlachten um Rang und Anerkennung, die in der heimischen Arena ausgetragen werden. Begonnen hat das Spektakel vor einigen Wochen, als Christian und ich von einem Spaziergang einen halb verhungerten, kleinen Kater mit nach Hause brachten. Unsere Katzendame Pirjo, 10 Jahre alt, fand den neuen Mitbewohner überhaupt nicht toll und zeigte eindrucksvoll – auch uns – wer hier Chef(in) im Ring ist. Mittlerweile ist der Kater Kimi ca. 4 Monate alt, wohlgenährt und unzufrieden mit der Rolle des Geknechteten. Die Statusspiele, die die beiden Tiere nun aufführen, sind hoch spannend. Manche Ausdrucksformen wie z.B. das „Aufplustern“ und das „Kleinmachen“, aber auch das zeitweise stoische Ignorieren des Anderen, lassen sich wunderbar auch im Berufsalltag beobachten.

Wenn Menschen mit einander interagieren, ist das immer eine asymmetrische Angelegenheit. Vollkommene Symmetrie gibt es in zwischenmenschlichen Beziehungen nicht, auch wenn „Gleichheit“ ein beliebter Topos ist. Ein Statusgefälle ist immer da, man kann sich das wie eine Wippe vorstellen: erhöht sich der Status auf der einen Seite, erniedrigt er sich auf der anderen. Mitunter sind das nur Nuancen. Auf diese Weise entstehen Statusspiele, die manchmal bewusst, oft aber ganz unbewusst ablaufen. Der Status einer Person ergibt sich immer relativ zum Status anderer – und er ist vom „sozialen Status“, also der Zugehörigkeit zu einem bestimmten sozialen Milieu, und auch vom „formalen Status“ innerhalb einer Hierarchie zunächst einmal unabhängig.

 Im Job haben Statusspiele eine besondere Bedeutung, denn hier werden Dominanz und Unterordnung häufig zu taktischen Zwecken eingesetzt. Es ist daher sinnvoll, sich einmal bewusst mit dem Thema auseinander zu setzen.

 1. Statussignale erkennen

Normalerweise fühlen wir in konkreten Situationen subjektiv ziemlich schnell und ziemlich deutlich, in welchem Status sich jemand uns gegenüber bewegt. Doch es gibt auch „objektive“ Merkmale, die einen hohen bzw. tiefen Status erkennen lassen.

Wichtige körpersprachliche und verhaltensbezogene Signale des Status sind z.B.:

Hochstatus

Tiefstatus

Aufrechte Haltung, aufgerichtetes Brustbein, entspannte Schultern  Gebeugte Haltung, eingeknickte Hüfte, nach vorn hängende oder zu den Ohren hoch gezogene Schultern
Erhobener Kopf, angehobenes Kinn  Gesenkter oder zur Seite geneigter Kopf
Raumgreifende Gesten  Eng am Körper gehaltene Arme, reduzierte Gestik
Offener Blick, Blickkontakt  Ausweichender Blick, Blinzeln
Breitbeiniges Sitzen, Zurücklehnen, Arme ausbreiten  Zusammengekauertes Sitzen, unter die Beine geschobene Hände, ineinander verschlungene Beine
Langsame Bewegungen  Hektische Bewegungen, nervöses Nesteln an der Kleidung, unruhiges Sitzen
Langsames Sprechen, Pausen, vollständige Sätze, angemessene Lautstärke   Atemloses Sprechen, Stocken, sich Verhaspeln, leises Sprechen
Andere berühren Sich selbst berühren, v.a. im Gesicht

Achten Sie doch einfach mal darauf, wie Sie selbst Ihre Körperhaltung verändern, wenn Ihr Gegenüber seinen Status erhöht, indem er z.B. aufsteht oder die Arme ausbreitet. Vor kurzem hatte ich ein schönes Aha-Erlebnis dazu. Bei unserem diesjährigen Betriebsausflug haben wir uns einen Workshop zum Thema „Körpersprache“ gegönnt (übrigens mit einer klasse Trainerin: Katrin Harke). In einer Übung bat mich die Trainerin, ihr gegenüber Platz zu nehmen. Langsam fing sie an, sich aufzurichten und Hochstatus-Signale zu senden. Und ganz automatisch richtete ich meine Körperhaltung darauf aus. Unser Statusspiel wurde ein regelrechter Showdown, der die Luft knistern ließ.

2. Innerer und äußerer Status

Nicht immer entspricht das, was wir nach außen zeigen, dem wie wir uns innen fühlen. Vielfach können wir steuern, in welchem Status wir wahrgenommen werden wollen. Doch gerade in Stress-Situationen verfallen die meisten Menschen in den Statustyp, der ihnen am vertrautesten ist. Sie spielen so eine Rolle, aus der sie schwer herauskommen, selbst wenn sie Nachteile mit sich bringt.

Personen, die nach außen einen Hochstatus zeigen, erwarten von ihrer Umwelt Respekt. Diejenigen, die nach außen aus dem Tiefstatus heraus agieren, signalisieren den anderen ihren Wunsch nach Sympathie. Dies korrespondiert mit dem jeweiligen inneren Status insofern der innere Hochstatus dem Wunsch nach Distanz entspringt, während der innere Tiefstatus aus dem Wunsch nach Nähe resultiert.

Aus dem Verhältnis von innerem und äußerem Status lassen sich demnach vier Statustypen ableiten, die unterschiedlich „sympathisch“ und „respektabel“ wirken:

  • Innen hoch/außen hoch: „Macher“ – will Distanz und Respekt (wird von anderen meist respektiert, aber selten gemocht)
  • Innen hoch/außen tief: „Charismatiker“ – will Distanz und Sympathie (wird oft respektiert und gleichzeitig gemocht)
  • Innen tief/außen hoch: „Arrogante“/“Zicken“ – will Nähe und Respekt (wird meist weder gemocht noch respektiert)
  • Innen tief/außen tief: „Teamplayer“ – will Nähe und Sympathie (wird von anderen gemocht, aber nicht respektiert)

3. Status taktisch einsetzen

Verhaltensvariabilität ist eine wichtige Eigenschaft, die Führungskräfte besitzen sollten. Dies umfasst auch die Fähigkeit, den eigenen Status den wechselnden kommunikativen Anforderungen im Berufsalltag anzupassen. Die o.g. Statustypen sind keine starren Muster, sondern können variiert werden. Manchmal funktioniert das intuitiv, etwa, wenn man merkt, dass man mit zu viel Distanz andere eher verschreckt als motiviert. Gerade erfahrene Führungskräfte wissen meist, wann sie „hoch-“ und wann sie „tief schrauben“ müssen. In Vertriebssituationen ist es z.B. ratsam, einen etwas über dem Mittel liegenden Status einzunehmen, nicht zu hoch, nicht zu tief. In Konfliktsituation kann das „Tieferlegen“ des eigenen Status zur Entspannung beitragen, vor allem wenn der Konfliktpartner aus einem tiefen inneren Status heraus agiert. Gesprächssituationen sind dynamisch. Ebenso dynamisch ist das Spiel mit dem Status. Sie können mit einem tiefen Status einsteigen, z.B. wenn Sie möchten, dass ein Mitarbeiter zusätzliche Arbeit leistet, und in den Hochstatus wechseln, wenn Sie festlegen, was wann fertig sein soll

Probieren Sie doch einfach mal aus, bewusst mit Ihrem Statusverhalten umzugehen und mit den verschiedenen Varianten zu spielen. Vielleicht kommen Sie so in mancher Situation entspannter zum Ziel. Gerade in Stress-Situationen neigen viele Führungskräfte dazu, ausschließlich aus dem Hochstatus zu agieren – und vergeben so die Chance, den Anforderungen flexibel zu begegnen.

Zum Weiterlesen:

Quelle Foto: © Cherry-Merry – Fotolia.com

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