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Klüger kontern – Grundkurs Schlagfertigkeit




 

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Situationen, in denen Schlagfertigkeit gefordert ist, gibt es im Berufsleben viele. Leider fällt einem oft erst hinterher ein, mit welchem ultimativen Spruch man hätte kontern können. Mir jedenfalls geht es so, dass ich auf Unverschämtheiten oder verbale Angriffe zwar immer eine schnelle Antwort finde. Eine halbe Stunde später fallen mir dann aber jede Menge Entgegnungen ein, die noch viel besser gewesen wären.

Sicher ist Schlagfertigkeit eine Eigenschaft, die manchem in die Wiege gelegt ist, und nicht jeder Mensch hat ein Talent für passende Worte und fühlt sich bei einem Schlagabtausch wohl. Dennoch ist es für jeden möglich – und sinnvoll – die eigene Schlagfertigkeit zu trainieren. Alle, die im Arbeitsalltag häufig in Diskussionen und Konfrontationen verstrickt sind, sollten sich ein rhetorisches Rüstzeug zulegen, denn Sprachlosigkeit und eine verzögerte oder unsichere Reaktion werden im Allgemeinen als Schwäche ausgelegt.

Klug zu kontern ist gar nicht so schwer. Am wichtigsten ist es, die eigene Reaktionsfähigkeit zu trainieren, denn nur ein schneller Konter ist ein guter Konter. Dieses Training kann man in Alltagsgesprächen aufnehmen oder aber, falls man seine Mitmenschen schon zu sehr nervt, allein vor dem Fernseher absolvieren. Schalten Sie sich bei TV-Talkrunden doch einfach einmal wortgewandt ein. Das macht Spaß – und bleibt sozial folgenlos.

Zudem gibt es ein paar grundsätzliche Taktiken der Schlagfertigkeit, die sich leicht umsetzen lassen:

Lachen

  • Lachen als Antwort irritiert den Kontrahenten. Danach schweigen und den Gegner fest in den Blick nehmen. Das ist besonders in einer Gruppe von Menschen wirkungsvoll. Der verbale Angriff hängt in der Luft und Sie demonstrieren, dass Sie darüber stehen.

Ultrakurze Aussagen

  • Ach was! Genau! Na und! Diese Aussagen passen eigentlich immer und lassen den Angreifer auflaufen.
  • „So kann man eine Abteilung nicht führen.“ „Genau.“
  • „Sie verstehen aber auch gar nichts.“ „Ach was.“

Absichtliches Missverstehen

  • Bei dieser Technik nutzt man die Mehrdeutigkeit von Worten.
  • „Sie können wohl keine Bilanzen lesen?!“ „Ach, wenn genug Licht da ist…“
  • „Was stehen Sie da so rum?“ „Soll ich mich hinlegen?“

Maßloses Übertreiben

  • Durch Übertreibungen, insbesondere übertriebene Zustimmung, lassen sich Antworten häufig ins Witzige wenden.
  •  „Die Einweisung in das neue Programm war viel zu kurz.“ „Ja, das nächste Mal schicken wir die gesamte Belegschaft für vier Semester an die Uni.“
  • „Sie sehen aber mitgenommen aus.“ „Ja, der Arzt hat heute Morgen schon den Totenschein gezückt.“
  • „Die Fehlerquote Ihres Teams ist extrem hoch.“ „Ja, die wollen ins Guinness-Buch der Rekorde.“

Unerwartetes Zustimmen

  • Auch das unerwartete Zustimmen hat eine tolle Wirkung. Es funktioniert jedoch nur, wenn die Wertsetzung des Angreifers bewusst konterkariert wird. Wird Ihnen also „moralisch verwerfliches“ Verhalten vorgeworfen, entziehen Sie dem Angreifer die Basis, indem Sie andere Werte setzen.
  •  „Ihr Anzug ist ganz zerknittert.“ „Das haben Sie aber gut beobachtet!“
  • „Gestern haben Sie noch das genaue Gegenteil behauptet“ „Stimmt. Ich lerne schnell dazu.“
  • „Sie sind unglaublich arrogant.“ „Ja Gott sei Dank – und Arroganz sieht ja auch nur von unten so aus.“

Überspannen darf man den Bogen natürlich auch nicht. Auch wenn ein Schlagabtausch noch so viel Freude macht: Im Job ist weniger mehr. Insbesondere sollte man darauf achten, dass man KollegInnen und Vorgesetzte nicht düpiert und die Beziehungen langfristigen Schaden nehmen. Manchmal ist es daher ratsam, die Spaßbremse zu geben und auf verbale Attacken mit einem Lächeln und dem Hinweis zu reagieren, dass wir nun alle auf die Sachebene zurückkehren und uns den drängenden Problemen widmen möchten. Auch das nimmt Angreifern wirksam den Wind aus den Segeln.

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Quelle Foto: @javier brosch – Fotolia.com

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