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Nein sagen – aber richtig! Die besten Strategien für freundliche Härte




 

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Mit guten Vorsätzen zum Jahresbeginn ist das ja so eine Sache. Die Halbwertszeit ist recht begrenzt, und in vielen Fällen ist schon Mitte Januar wieder Schluss mit Fitnesstraining oder Schokoladenverzicht. Für alle, die sich vorgenommen haben, künftig öfter mal Nein zu sagen, habe ich allerdings eine gute Nachricht: Es gibt Strategien, mit denen das zuverlässig gelingt.

Vielen Menschen fällt es schwer, anderen eine Bitte abzuschlagen und selbstbewusst Nein zu sagen, wenn sie eine Aufgabe nicht übernehmen wollen. Ein „Nein“ gilt als unhöflich und führt bei anderen womöglich zu Enttäuschung und Ablehnung. Um daraus resultierende Konflikte zu vermeiden, nehmen viele Menschen an ihrem Arbeitsplatz (und oft auch im Privatleben) zusätzliche Belastungen und Zumutungen in Kauf. Dabei ist Nein sagen zu können eine zentrale Kompetenz im Rahmen der eigenen Selbstführung. Nein sagen zu können bedeutet Entscheidungsfähigkeit, Durchsetzungsvermögen und vor allem Verfügungshoheit über die eigene (Arbeits-)Zeit. Für Führungskräfte ist Nein sagen ein wichtiges Instrument ihres täglichen Schaffens, doch letztlich ist diese Fähigkeit auf allen Hierarchiestufen notwendig.

Also, was kann man nun konkret tun, wenn es wieder einmal heißt: „Kannst Du mal schnell…“, „Sei doch so nett…“ oder „Es macht Dir doch nichts aus, nachher noch…? Das Wichtigste ist, das Nein kommunikativ so zu verpacken, dass Ihr Gegenüber sich nicht vor den Kopf gestoßen fühlt, sondern die Ablehnung nachvollziehen kann oder eine Alternative geboten bekommt. Das gelingt am besten mit den folgenden fünf Strategien:

nein-sagen

 

  1. Grund nennen: Sagen Sie Ihrem Gegenüber, warum sie eine Aufgabe nicht übernehmen wollen oder können. „Das geht jetzt nicht, weil ich gleich einen Termin habe.“ „Das kann ich nicht, weil ich die Zahlen dafür gar nicht habe.“ „Das möchte ich nicht mit erledigen, weil ich dann xyz nicht schaffe.“ Wenn Sie es freundlicher mögen, zeigen Sie Verständnis für die Bitte des Anderen: „Ich weiß, wie sehr Du unter Druck bist, aber das kann ich heute wirklich nicht mehr machen.“ Eine schöne Geste ist es auch, sich für die Anfrage zu bedanken: „Ich freue mich, dass Sie mir xyz zutrauen, vielen Dank dafür. Leider muss ich mich trotzdem zuerst um abc kümmern, weil…“.
  1. Tausch anbieten: Dies ist eine elegante Lösung, insbesondere gegenüber solchen KollegInnen, die immer wieder ankommen, um etwas auf Sie abzuwälzen. „Das kann ich übernehmen, wenn Du mir dafür xyz abnimmst.“ „Wenn Du das hier erledigst, mache ich xyz sofort.“
  1. Dritte ins Spiel bringen: Nicht ganz so elegant, aber ebenso wirkungsvoll ist es, auf andere Personen zu verweisen, die die Aufgabe erledigen können. „Das kann doch xyz machen, der muss das ohnehin noch üben.“ „Ich schlage vor, dass xyz das übernimmt. Sie kann das viel besser als alle anderen.“ „Am besten erledigt das xyz.“
  1. Bedingungen stellen: Diese Strategie funktioniert nur, wenn Ihr Gegenüber in der Lage ist, die von Ihnen gestellten Bedingungen auch zu erfüllen. „Ich mache das nachher noch, wenn ich dafür am Freitag zwei Stunden eher gehen kann.“ „Das kann ich nur erledigen, wenn Sie mir die Zahlen jetzt gleich zur Verfügung stellen.“ „Ich kann das übernehmen, wenn es o.k. ist, dass die Aufgabe xyz erst in der nächsten Woche fertig sein wird.“
  1. Ball zurückspielen: Geben Sie die Aufgabe doch einfach an denjenigen zurück, der Sie Ihnen angetragen hat. Ich mag diese Strategie, weil sie auch einen gewissen pädagogischen Nutzen hat („Enabling“) und gut im privaten Umfeld eingesetzt werden kann. „Was brauchst Du, um xyz selbst zu erledigen?“ „Was kann ich tun, damit Du xyz selbst machen kannst?“ Sie werden sehen, diese Formulierungen sind viel besser als ein hingenörgeltes „Warum machste das nicht selbst?“

Bitte bedenken Sie bei all dem aber auch: Nicht immer ist ein Nein angemessen. Selbst wenn man schon überlastet ist oder sich für eine Aufgabe eigentlich nicht zuständig fühlt, kann es gute Gründe geben, eine Aufgabe zu übernehmen oder der Bitte eines Anderen nachzukommen. Wenn Sie unsicher sind, ob ein Nein in einem bestimmten Kontext adäquat ist, bringen Sie mehr über die Hintergründe des geäußerten Wunsches in Erfahrung. Fragen Sie Ihr Gegenüber dabei zunächst nach konkreteren Informationen, etwa was genau gemacht werden soll, wozu das Ergebnis gebraucht wird o.ä. Klären Sie auch, ob Sie die Bitte richtig verstanden haben. Anschließend können Sie die konkrete Erwartungshaltung abfragen und z.B. die Prioritäten der Ihnen überlassenen Aufgaben abklären. Ein solches Vorgehen wird Ihren Gesprächspartner dazu bringen, seine Bitte zu überdenken und eventuell eine andere Lösung (Zurückstellen der Aufgabe, Delegieren der Aufgabe an eine andere Person) zu finden.

Wenn Sie sich vorgenommen haben, künftig öfter Nein zu sagen, kann es nicht schaden, dass Sie auch sich selbst diesbezüglich einmal auf den Prüfstand stellen.

  • Wie gehen Sie damit um, wenn jemand Nein zu Ihnen sagt? Versuchen Sie, Ihr Anliegen dennoch durchzusetzen? Wie machen Sie das dann?
  • Welche Gefühle werden bei Ihnen ausgelöst, wenn andere Ihre Bitten abschlagen?
  • Wie muss ein Nein vorgetragen werden, damit es Ihnen leicht fällt, es zu akzeptieren?

Vielleicht fällt Ihnen das Nein-Sagen bislang nur deshalb so schwer, weil Sie Angst haben, die anderen könnten genauso reagieren wie Sie – enttäuscht, beleidigt, verärgert, verletzt, nicht ernst genommen. Das ist menschlich und geht den meisten von uns so. Wenn Sie also künftig öfter eine Bitte zurückweisen wollen, lernen Sie gleichzeitig, gelassener mit dem Nein anderer umzugehen! Eine ehrliche Selbstreflexion hilft Ihnen nicht nur, das nötige Selbstvertrauen beim Nein-Sagen zu entwickeln, sondern auch den richtigen Ton zu treffen.

Quelle Foto: @Edler von Rabenstein – Fotolia.com

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