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Hierarchieabbau, Konkurrenzdruck, Karrierechancen – wie bewerten ManagerInnen in der DACH-Region die Digitalisierung und Industrie 4.0?




 

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Mit der digitalen Transformation verändern sich die die persönlichen Arbeitsbedingungen von ManagerInnen ganz erheblich. Werden Unternehmen künftig vom Home-Office aus geführt? Bedeutet größere Transparenz mehr Freiheit oder mehr Kontrolle? Wo entstehen neue Job-Chancen? Werden zeitlich befristete Spezialistenteams hierarchische Unternehmensstrukturen ablösen? Wie Führungskräfte in der DACH-Region diese und andere Themen aktuell einschätzen, zeigt das jüngste „Manager-Barometer“ der renommierten Personalberatung Odgers Berndtson. Zum sechsten Mal in Folge befragte das Unternehmen sein „Executive Panel“, dem Führungskräfte aller Branchen und Firmengrößen im deutschsprachigen Raum angehören. An der Mitte 2016 durchgeführten Studie beteiligten sich 2.124 Managerinnen und Manager.

Interessant ist neben den eigentlichen Ergebnissen auch der statistische Teil zu den TeilnehmerInnen. „Typische“ Führungskräfte beiderlei Geschlechts sind demnach zwischen Mitte und Ende Vierzig Jahre alt und arbeiten im Schnitt ca. 52-54 Stunden in der Woche. Während weibliche Führungskräfte jedoch am häufigsten im Mittelmanagement, vor allem auf Bereichsleitungsebene, anzutreffen sind, befinden sich männliche Führungskräfte deutlich häufiger in Positionen des Top-Managements. Auch der private Hintergrund differiert: Während Managerinnen in der Mehrheit kinderlos sind, haben fast 60% ihrer männlichen Kollegen zwei oder mehr Kinder. Führungskräfte beiderlei Geschlechts leben überwiegend in einer festen Partnerschaft – doch während 27,4% der Managerinnen alleinstehend sind, trifft dies auf nur 6,8% der männlichen Führungskräfte zu.

Vorteile der Digitalisierung

Diese Unterschiede halten sich hartnäckig. Doch sowohl männliche wie weibliche Führungskräfte sehen in der digitalen Transformation eine Chance für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. 46,5% der Befragten sehen dies als einen der wichtigsten Vorteile der Digitalisierung an. Insgesamt ist die Haltung der ManagerInnen gegenüber den gegenwärtigen Wandlungsprozessen in der Arbeitswelt sehr positiv. Führungskräfte, die die Veränderungen ablehnen, muss man regelrecht suchen; nur 1,4% gaben eine negative Bewertung ab. Die Vorteile, die Führungskräfte in ihrem persönlichen Arbeitsumfeld sehen, betreffen vor allem Vereinfachungen und Entlastungen.

  • Die Prozesse haben sich vereinfacht/sind schneller geworden (53,9%)
  • Die internationale Zusammenarbeit wird vereinfacht (47,9%)
  • Berufliches und privates Leben sind flexibler vereinbar (46,5%)
  • Persönliche Entlastung von administrativen Aufgaben (34,1%)
  • Persönliche Eigenständigkeit der Arbeit nimmt zu (32,6%)
  • Die Zusammenarbeit im direkten Umfeld verbessert sich (23,2%)

(Quelle: Odgers Berndtson, Manager-Barometer 2016/2017, S. 30)

Nachteile der Digitalisierung

Wo Licht ist, da ist bekanntlich auch Schatten. Daher wurden die ManagerInnen auch zu den Nachteilen gefragt, die sie an ihrem Arbeitsplatz erleben. Unter der Digitalisierung leidet demnach in den Unternehmen vor allem die persönliche Kommunikation. Mehr als zwei Drittel der Führungskräfte sehen dies kritisch. Mehr als die Hälfte beklagt zudem einen Rückgang persönlicher Kontakte, der das Führungsverhalten erschwert.

  • Die persönliche Kommunikation verliert an Bedeutung (67,1%)
  • Die eigene Erreichbarkeit („ständig und überall“) nimmt zu (58,6%)
  • Das Führungsverhalten leidet durch Abnahme persönlicher Kontakte (50,7%)
  • Der Druck steigt aufgrund von schnellen, transparenten Prozessen (35,1%)
  • Die gefühlte Kontrolle steigt (31,2%)
  • Persönliche Eigenständigkeit der Arbeit nimmt ab (16,4%)

(Quelle: Odgers Berndtson, Manager-Barometer 2016/2017, S. 32)

Der Vorjahresvergleich zeigt, dass es bei allen Nachteilen Zuwächse gibt, außer in puncto Selbständigkeit der Arbeit. Interessant ist, dass die Zahl der Führungskräfte, die eine größere Kontrolle durch die Digitalisierung verspüren, deutlich angewachsen ist, und zwar um 8,5%. Gründe dafür dürften die gestiegene Transparenz der Prozesse und die stärker vernetzte Zusammenarbeit sein.

Home-Office und Hierarchieabbau

Obwohl die Digitalisierung flexible Arbeitsbedingungen wie z.B. die Einrichtung von Home-Offices unterstützt, sind sich die befragten Führungskräfte darüber einig, dass wirksames Führungsverhalten weiterhin persönliche Präsenz und ein hohes zeitliches Engagement erfordern wird. Je höher die Hierarchiestufe, desto geringer die Zahl der Home-Offices – so könnte man die Bewertung zusammenfassen. Ob sich hierarchische Strukturen durch die die digitale Transformation abbauen, ist eine Frage, in der die Führungskräfte gespalten sind: Knapp 53% sehen einen Hierarchieabbau, während 47% dies verneinen.

Karrierechancen durch Digitalisierung

Zu den persönlichen Auswirkungen der digitalen Transformation gehören für die überwiegende Mehrheit der Führungskräfte interessante auch neue Karrierechancen. Im Vergleich zum Vorjahr zeigen sich die TeilnehmerInnen hier noch optimistischer als zuvor. Obwohl die meisten ManagerInnen, etwa drei Viertel, derzeit mit ihrem Job zufrieden sind, halten fast 40% einen Wechsel innerhalb der nächsten 12 Monate für wahrscheinlich. Das Gehalt spielt als Wechselmotivation eine deutlich untergeordnete Rolle. Nach dem Wunsch, die nächste Stufe der Karriereleiter zu erklimmen und mehr Wertschätzung zu erfahren, erweist sich die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens als einer der wichtigsten Wechselgründe. Deshalb wird die digitale Strategie von Firmen zu einem zentralen Entscheidungskriterium bei der Jobwahl. Nahezu 70% der Managerinnen und Manager geben an, bei ihrem nächsten Jobwechsel sehr darauf zu achten, ob das Unternehmen eine schlüssige Strategie im Bereich Digitalisierung/Industrie 4.0 hat – oder nicht.

Zu den „Gewinnern“ der Digitalisierungswelle sehen sich derzeit vor allem Führungskräfte aus dem Bereichen Telekommunikation, Technologie und Medien. Aber auch in der Unternehmensberatung und Wirtschaftsprüfung werden verstärkt neue Karrierechancen wahrgenommen. Eher zurückhaltend bewerten dagegen ManagerInnen aus der Energie-/Versorgungsbranche und der Industrie ihre beruflichen Perspektiven.

Das „Manager-Barometer“ enthält noch eine Vielzahl weiterer interessanter Befunde. Wer das Thema vertiefen möchte, kann das hier tun.

Zum Weiterlesen:

Quelle Foto: @alphaspirit – Fotolia.com

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