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Brillenwechsel: Die Sicht der Anderen




 

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Sie leben in einer Partnerschaft in einer gemeinsamen Wohnung ? Dann ist Ihnen die folgende Szene vielleicht bekannt. Wie jeden Morgen betreten Sie das Bad und müssen sich gleich wieder aufregen. Wie schon in den letzten Wochen liegt die Zahnpastatube offen auf dem Waschbecken. Aus Ihrer Sicht hat Ihr Lebenspartner wieder einmal aus Faulheit die Tube liegen lassen und sie müssen sie erst wegräumen, denn Zähneputzen kommt später, erst wird gewaschen und dann rasiert. Da stört die Tube nur. Aus Sicht des Lebenspartners sieht die Sache eine halbe Stunde vorher ganz anders aus. Liebevoll wurde die offene Tube auf das Waschbecken gelegt, um Ihnen das Leben am frühen morgen möglichst einfach zu machen.

Auch im Managementalltag begegnen uns diese unterschiedlichen Brillen, mit denen Ereignisse oder Tatsachen angeschaut werden können, ständig. Ein Beispiel: Ein Team arbeitet an einer Infrastrukturschicht, die es allen anderen Teams zur Verfügung stellen will. Das Team ist im Tunnel und will möglichst schnell und qualitativ hochwertig ein produktionsreifes Ergebnis liefern. In der Arbeit berühren sie eine Komponente, die ein anderes Team betreibt und entwickelt hat, das in der aktuellen Installation Probleme bereitet. Sie erarbeiten eine Lösung, die sich fundamental unterscheidet, aber aus Sicht des Infrastrukturteams produktionsreif im System funktioniert. Das Team, das die Komponente bisher betrieben hat, sieht das anders. Wieder einmal wurde ihnen ohne vernünftige Absprache etwas verändert, die Vermutung ist, dass Böswilligkeit dahintersteckt.

Jede Beobachtung der Welt, wie in den Beispielen beschrieben, ist ein doppelter Unterscheidungszusammenhang:

  1. Im ersten Schritt erkennt man:
    1. Die Zahnpastatube liegt wieder da.
    2. Wieder einmal wurde eine Komponente einfach verändert.
  2. Im zweiten Schritt werden der Unterscheidung aus 1 durch verschiedene Beobachter unterschiedliche Bedeutungen/Symboliken zugeordnet.
    1. Der Partner ist faul./ Ich möchte es dem Partner einfacher machen.
    2. Jede Komponente soll top produktionsreif sein./ Wieder einmal wurde etwas böswillig verändert.

Wir haben uns zu sehr daran gewöhnt, beide Schritte in einem zu machen und vergessen, andere Bedeutungen, die einer Handlung zugrunde liegen können, in Betracht zu ziehen.

Als Mitarbeiter in einer Organisation und als Manager kann ich mir das Wissen um den doppelten Unterscheidungszusammenhang zunutze machen.

  1. Indem ich für meine eigenen Worte und Handlungen weitere mögliche Bedeutungen in Betracht ziehe, wie sie mit andren Brillen gesehen werden könnten.
  2. Indem ich die Worte und Handlungen von anderen Personen/Teams/ Organisationen nach möglichen anderen Bedeutungen (andere Brille aufsetzen) beurteile, öffne ich mir viele weitere Möglichkeiten der Reaktion.

Viel Spaß beim Üben des Brillenwechsels, in Ihrer Organisation und vielleicht auch zu Hause.

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Quelle Foto: @ Antonio Gravante – Fotolia.com

 

 

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