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Shared versus Full-Stack IT – Eine Entscheidungshilfe




 

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Bestehendes nicht nur allein, sondern mit Mehreren zu nutzen, klingt erst einmal gut. Ressourcen, die eh schon da sind, werden geteilt und besser ausgenutzt, wenn es geht, am besten zu 100 Prozent. Die Sharing Community kommt in Mode. Warum soll ich meinen Smart kaufen und er steht zu 90 Prozent rum, wenn ihn andere doch in dieser Zeit nutzen könnten?

Voll im Trend müsste dann doch auch Shared IT mit Shared Services liegen. Doch dem ist nicht so: In der IT gibt es den Shared-Begriff schon seit Jahrzehnten. Entwickelt hat er sich aufgrund der in früheren Jahren allgegenwärtigen Ressourcenknappheit von Speicher, CPU und Storage. Da war es nur sinnvoll und folgerichtig, Ressourcen möglichst optimal zu nutzen, eben zwischen verschiedenen Applikationen, Kunden, etc. zu sharen. Doch gegen den Trend haben sich die Gegebenheiten in der IT geändert. Durch die Cloud lassen sich Ressourcen wie Speicher, CPU, Storage, Netzwerk fast jedem Bedarfsfall entsprechend skalieren, sie sind nicht mehr knapp, sondern überall verfügbar und werden immer kostengünstiger. Sharing macht dann weniger Sinn. So hat sich ein gegenteiliger Trend in der IT herausgebildet: Teams und Business Units nutzen ihre benötigten Ressourcen nicht mehr gemeinsam, sondern jedes Team baut die für sich notwendigen Ressourcen alleine auf (Full-Stack Verantwortung). Jede Business Unit fährt den eigenen Smart.

Dies bietet die folgenden Vorteile:

  • Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten sind bei eigenen Ressourcen klar definiert, es gibt keinen Streit um Prioritäten.
  • Muss etwas an den Ressourcen geändert werden, so können durch die Unabhängigkeit eine schnelle Reaktionszeit, eine optimale Informationslage und Kommunikationsfähigkeit sowie hohe Flexibilität gewährleistet werden.
  • Abhängigkeiten zwischen dem Anwendungs-Layer und den anderen Layern können optimal aufgelöst werden. Wissen zwischen den Layern kann optimal aufgebaut und innerhalb des Teams geteilt werden. Es werden also Wissen, Information und Kommunikation optimal geshared, Ressourcen hingegen exklusiv zugeordnet.
  • Alle Layer können so gestaltet werden, dass sie in ihrer Zusammenstellung den optimalen Wert für den Kunden erzeugen.
  • Die Flexibilität ist so hoch, dass spezielle technische und Geschäftsspezifika eingebaut werden können.

Doch keine Lösung hat nur Vorteile, auch eine Full-Stack IT hat Risiken:

  • Möglicherweise geht fachspezifische Expertise für einzelne Layer verloren, weil der Austausch mit KollegInnen fehlt (z.B. bei den Netzwerkern).
  • Möglicherweise werden die Ressourcen (Hardware, Arbeitszeit des Netzwerkers) nicht optimal genutzt.
  • Ist jedes Team für seine Ressourcen alleine verantwortlich, so gehen selbst innerhalb eines Unternehmens möglicherweise allgemeine Regeln und Prozesse auf ähnlichen Layern verloren (jedes Team macht es anders). Das erschwert eine mögliche zukünftige Zusammenarbeit.

Für alle diese Risiken lassen sich Möglichkeiten finden, um das Eintreten ihrer vollen Wirkung zu vermeiden. Für welche Lösung sollte man sich entscheiden, Shared IT oder Full-Stack? Als Entscheidungshilfe hat sich für mich die folgende Daumenregel bewährt:

  • Umgebungen, in denen Flexibilität und hohe Geschwindigkeit gefordert sind, weil sie in schnellen Märkten unterwegs sind, sollten sich für die Full-Stack Lösung entscheiden. Die Optimierung der Ressourcenausnutzung tritt in den Hintergrund. Es ist wichtiger, dass ich meinen Smart jederzeit fahren kann, wo immer ich hinfahren möchte, und ihn bei Bedarf auch noch grün oder rot anmalen kann. Dass er 90Prozent herumsteht und nicht optimal genutzt wird, ist mir dann egal, wenn ich sicherstellen kann, dass ich im Notfall sicher loskomme.
  • Anders sieht es in Umgebungen aus, in denen es gleichgültig ist, wie der Smart bemalt ist und ich auch einmal nicht loskomme, weil den Wagen ein anderer fährt. Hier kann ich mich daran erfreuen, dass ich nur meinen Anteil an den Kosten bezahle, einen Bruchteil von dem, was ich als Vollbesitzer einsetzen müsste.

Haben Sie sich unter Beachtung der Daumenregel bei Ihrer IT richtig entschieden? Ideen und Austausch herzlich willkommen!

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Quelle Foto: @ nadia_snopek – Fotolia.com

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