Artikel versenden

Verlernen lernen – warum es so wichtig ist, Dinge zu verlernen




 

// / /

Schon vor meiner Schulzeit hat sie angefangen, meine Begeisterung dafür, Neues zu lernen. Dann ging es weiter, immer schneller. Lesen lernen, Schreiben lernen. Dann ganz viel durch das Erlernte lernen, besonders durch das Lesen. So habe ich mir ganz viel selbst beigebracht, immer wieder durch das gleiche Muster: Lesen und dann in der Praxis ausprobieren. Das Internet hat mein Lernen nochmals beschleunigt, lesen oder etwas über YouTube angucken und dann ausprobieren. Meine Begeisterung für das Lernen ist nochmals gestiegen, ebenso wie die Möglichkeiten.

Auch für Organisationen hat sich das Lernen in den letzten Jahren und Jahrzehnten beschleunigt. In den 1990er Jahren war die „Lernende Organisation“ noch etwas Neues und Unternehmen mussten von Peter Senge ( „Die Fünfte Disziplin“) und vielen anderen erst lernen, wie sie überhaupt lernen konnten. Mittlerweile ist das Lernen für Organisationen zur Notwendigkeit geworden. Marktanpassungen in immer komplexeren Umwelten für die Unternehmen können nur durch Lernen bewältigt werden. Lernen ist überlebensnotwendig.

Es gibt aber auch eine andere Seite der Medaille. Bei all meiner Begeisterung für das Lernen hat mich eine Erkenntnis aus meiner Berufspraxis überrascht: Um als Manager und Berater erfolgreich sein zu können, ist es ebenso wichtig, Wissen und Verhaltensweisen zu verlernen. Bei meinem, nun schon viele Jahre zurück liegenden, beruflichen Übergang vom Software-Architekten zum Projektmanager war es wichtig, mich an Diskussionen über technische Details nicht mehr zu beteiligen, das Wissen in diesem Bereich in dieser Detailtiefe wurde unnötiger Ballast. Auch persönliche Verhaltensweisen musste ich verlernen. War in meinen Anfangsjahren als Manager noch das Voranstürmen mit unbedingtem Willen mein Erfolgsmuster, so wurde es durch den Einsatz variabler Muster ersetzt.

Auch für Organisationen gilt systemisch Ähnliches. Erfolgsmuster aus der Vergangenheit wie Prozesse im Umgang mit Kunden oder interne Abläufe müssen verlernt werden. Sie garantieren keinen Erfolg in der Zukunft. Ein zu langes Festhalten an alten Mustern bedeutet in einigen Fällen Nichtanpassung an die veränderten Bedingungen und kann zum Verlust der Überlebensfähigkeit der Organisation führen.

Verlernen ist sowohl für Menschen als auch für Organisationen anstrengend und tut manchmal weh. Lernen, zu verlernen ist eine immer notwendiger werdende Fähigkeit. Zunächst einmal ist es für Menschen und Organisationen wichtig, beobachten und beschreiben zu können, was man verlernen möchte. Wie so oft, hilft es auch hier, Fragen zu stellen:

  • Welche Verhaltensweisen treten besonders häufig auf?
  • Auf welchem Wissen, welchen Annahmen basiert mein Verhalten?
  • Wie schätze ich den zukünftigen Nutzen für dieses Wissen und Verhalten ein?
  • Was ist schon jetzt richtig schädlich oder könnte es schnell werden?

Diese Fragen helfen, die Ver-Lernfelder zu identifizieren.

Als Strategie für das Verlernen könnte man nun festlegen: Altes einfach vergessen und Verhaltensweisen einfach nicht mehr machen. Meiner Erfahrung nach funktioniert diese Strategie allerdings überhaupt nicht. Weder Menschen noch Organisationen wollen Dinge einfach über Bord werfen, an die sie vielleicht Jahrzehnte gewöhnt sind. Illustrierende Beispiele für das Nicht-Funktionieren sind Diäten.

Sowohl bei Organisationen als auch bei mir funktioniert die Strategie „Ersetzen und Neues sofort integrieren“. Bestehendes, das identifiziert ist, muss durch etwas Anderes ersetzt werden. Verlernen bedeutet nicht einfach weglassen, sondern ersetzen. Ebenso wichtig ist es, das Neue sofort mehrfach wiederholend in den Alltag einer Person oder Organisation zu integrieren und zu praktizieren. Bevor man Verlernen kann, sind deshalb die folgenden Fragen hilfreich:

  • Womit kann das Wissen oder die Verhaltensweise ersetzt werden?
  • Wie kann man das Neue sofort in den Alltag integrieren?
  • Welche neuen Verhaltensweisen sind in Zukunft hilfreich, welche alten könnten durch sie ersetzt werden?

Vielleicht denken Sie einfach auch mal darüber nach, was sie als Person oder was Ihre Organisation verlernen sollte. Vielleicht ist auch die vorgestellte Strategie hilfreich bei Ihnen. Viel Erfolg!

Quelle Foto: @designelements – Fotolia.com

| Keine Kommentare

 
Top | Impressum | Datenschutz