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Kompliment! Mit Komplimenten die Kultur verbessern




 

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Können Sie gut Komplimente machen? Oder selbst welche annehmen? Falls nicht, lohnt es sich, beides zu üben. Denn Komplimente sind Türöffner, sie stiften Beziehungen, schaffen eine positive Atmosphäre und sollten deshalb auch einen festen Platz im Joballtag haben. Anerkennende oder lobende Worte sind gelebte Wertschätzung – und als solche ein zentraler Aspekt der Unternehmenskultur.

Viele Menschen schrecken jedoch davor zurück, KollegInnen oder MitarbeiterInnen Komplimente zu machen, von Komplimenten an Vorgesetzte ganz zu schweigen. Es besteht eine große Unsicherheit darüber, welche Art von Äußerungen im Arbeitskontext überhaupt angemessen sind. Auch möchte niemand in Fettnäpfchen treten, eine negative Reaktion hervorrufen oder womöglich als „Schleimer“ gelten. Deshalb wird Lob in Unternehmen eher in ritualisierter Form, z.B. im Rahmen von Feedbackgesprächen geäußert und ist dann meist eine Einbahnstraße von der Führungskraft in Richtung MitarbeiterInnen (warum das falsch ist, lesen Sie hier: Wertschöpfung durch Wertschätzung. Und übrigens, auch Führungskräfte mögen Lob und Anerkennung).

Komplimente: Was geht und was nicht geht

Tatsächlich ist der Grat zwischen guten Komplimenten und Peinlichkeiten relativ schmal. Trotzdem sollte man es wagen und dabei einige Regeln beachten:

 

„Gute“ Komplimente

 

 

„Schlechte“ Komplimente

 

sind ehrlich gemeint

 

sind aufgesetzt oder übertrieben

 

beziehen sich auf einen konkreten Anlass oder eine konkrete Eigenschaft

 

bestehen aus beliebigen oder pauschalen Aussagen

 

werden ohne Hintergedanken oder bestimmte Absichten geäußert

 

lassen bestimmte Hintergedanken oder Absichten erkennen

 

wecken beim Gegenüber ein gutes Gefühl

 

hinterlassen beim Gegenüber ein unangenehmes Gefühl

 

Wer diese Basics berücksichtigt, macht im Umgang mit Komplimenten schon Vieles richtig. Aufrichtigkeit und gutes Timing sind die halbe Miete. Doch es lauern noch andere Fallstricke, denn nicht alle Arten von Komplimenten eignen sich für den Arbeitskontext gleichermaßen. Am besten passen sachlich begründete Komplimente, die sich auf bestimmte Eigenschaften oder Fähigkeiten beziehen, die im Joballtag relevant sind. Dies können sein:

Komplimente zur Persönlichkeit: „Vorhin im Meeting, da habe ich echt dein Standing bewundert. Wie du mit deiner gelassenen Art und inneren Ruhe das ganze Thema gedreht hast, das war schon klasse.“ „ Ich mag einfach deine Hartnäckigkeit, wenn es um wichtige Punkte geht. Das hilft dem Team wirklich weiter.“ „Ich finde es super, wie du bei dem ganzen Ärger deine gute Laune behältst und auch noch die Kollegen aufmunterst- Chapeau!“

Komplimente zu Fähigkeiten: „Mir gefällt die analytische Schärfe, mit der du das Problem XY auseinander genommen hast.“ „Wie du heute die Verhandlung geführt hast, das war große Klasse. Da habe ich mir einiges abschauen können.“ „Ich finde es bewundernswert, wie schnell und exakt du immer herausfindest, wo das Problem steckt.“

Vorsicht ist hingegen geboten bei Komplimenten, die sich auf Äußerlichkeiten beziehen. Komplimente, die z.B. auf körperliche Merkmale wie die Figur oder die Haare abzielen, sollte man im Job besser vermeiden. Hier sind Fettnäpfchen vorprogrammiert und es besteht die Gefahr, dass derartige Äußerungen als anzüglich aufgefasst werden – das hängt aber auch stark davon ab, wie gut sich die KollegInnen untereinander kennen und verstehen. Am ehesten unproblematisch sind Komplimente zu Äußerlichkeiten unter gleichgeschlechtlichen KollegInnen.

Komplimente zu Äußerlichkeiten: „Tolle Schuhe! Die sehen super an dir aus, kann auch echt nicht jeder tragen.“ „Das sieht so elegant aus, wenn du dir die Haare hochsteckst. Das gefällt mir total.“ „Mit dem Anzug bist du wirklich eine imposante Erscheinung. Hast ja auch die passende Figur dazu. Sehr schön!“

Ebenfalls Vorsicht walten lassen sollte man bei Komplimenten, die sich auf materielle Besitzgüter beziehen. Wer Auto, Haus oder teuren Schmuck seines Gegenübers lobt, erweckt leicht den Eindruck, neidisch zu sein oder aber selbst mit „mein Haus, mein Auto, mein Boot…“ angeben zu wollen. Am Arbeitsplatz haben derlei Komplimente nichts zu suchen. Allenfalls wenn sich direkte Anknüpfungspunkte an den Arbeitskontext herstellen lassen, kann man eine Ausnahme machen.

Komplimente zu materiellen Gegenständen: „Wow, hast du da das neue Notebook von XY? Das sieht ja cool aus. Zeigst du mir mal, wie du das im Meeting mit den handschriftlichen Notizen gemacht hast?“

Wichtig ist auch, dass man mit Komplimenten nicht zu großzügig ist. Wer ständig mit Liebenswürdigkeiten um sich wirft, zieht schnell Misstrauen auf sich. Selbst wenn die Komplimente ernst gemeint sein sollten, wird niemand sie mehr als solche auffassen, sondern den Absender wahlweise als Schleimer oder oberflächlichen Zeitgenossen betrachten.

Reaktionen auf Komplimente

Komplimente tun gut – wenn man es schafft, sie zuzulassen. Vielen Menschen ist es jedoch unangenehm, wenn jemand ihnen ein Kompliment macht, selbst wenn dieses ehrlich gemeint ist und zum richtigen Zeitpunkt kommt. Manche reagieren skeptisch oder wiegeln ab. Andere zeigen sich verlegen oder antworten mit einem hastigen Gegen-Kompliment. Auch betretenes Schweigen kommt vor, ebenso wie Versuche, einen Witz daraus zu machen. (Vielleicht mögen Sie an dieser Stelle einmal überlegen, wie Sie mit Komplimenten umgehen, die andere Ihnen machen?)

All diese Reaktionen sind menschlich, aber leider komplett ungeeignet. Sie lassen unangenehme Situationen entstehen und signalisieren der Person, die gerade ihre Wertschätzung zum Ausdruck gebracht hat, etwas falsch gemacht zu haben oder als Meinungsgeber nicht gefragt zu sein.

Die beste Art, auf ein Kompliment zu reagieren, ist zugleich die einfachste: lächeln Sie und sagen Sie schlicht „Danke“.

Der „Kompliment-O-Mat“ – eine tolle Idee für Workshops

Komplimente machen und Komplimente empfangen kann man üben. Wie wäre es z.B., wenn Sie bei Ihrem nächsten Teamworkshop ganz gezielt das Komplimentemachen einbezögen? Diese Idee fand ich in einem Blogbeitrag von Valentin Heyde, der berichtet, wie mit Hilfe gegenseitiger Komplimente auch bei inhaltlich rauhen Debatten das Klima unter den WorkshopteilnehmerInnen immer offen, freundlich und wertschätzend blieb.

Grundlage seines Vorgehens war eine Erfahrung mit dem „Kompliment-O-Mat“, der von Lena Hällmeyer entwickelt wurde und auch für Events wie z.B. Betriebsfeste gemietet werden kann. Hinter dem „Automaten“ sitzen zwei Personen, eine, die illustriert und eine, die schreibt. Vorne können über Schieberegler einige Einstellungen vorgenommen werden, z.B. „ehrlich bis übertrieben“. Der „Automat“ wird mit Inhalten gefüttert und spuckt nach wenigen Minuten ein illustriertes Kompliment aus. Heyde wandelte das Prinzip ab und hängte für jeden Teilnehmer und jede Teilnehmerin einen großen, mit dem jeweiligen Namen beschrifteten Umschlag an die Wand. Davor platzierte er Karteikarten und Stifte. Die Umschläge sollten nun zwischendurch immer wieder einmal mit anerkennenden, lobenden Worten gefüllt werden. „Was schätze ich gerade an Person XY besonders?“ „Was an ihr oder ihm hat ein Kompliment verdient?“ Nach Abschluss des Workshops wurden die Umschläge dann ihre Adressaten verteilt, die sich allein und in Ruhe zu Hause oder auf dem Heimweg über die Komplimente freuen durften.

Mir gefällt die Idee, weil sie den Fokus – auch bei inhaltlichen Differenzen – immer wieder auf die positiven, starken Seiten der KollegInnen lenkt und so die gegenseitige Wertschätzung und den gegenseitigen Respekt befördern kann. Für Workshops, aber auch im Arbeitsalltag sind hier viele Varianten denkbar. Also, wenn Sie Geschmack gefunden haben am Thema Komplimente, dann lassen Sie Ihrer Kreativität freien Lauf und legen Sie los! Viel Spaß dabei.

Zum Weiterlesen:

Quelle Foto: @DDR Rockstar – Fotolia.com

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