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Silver Society – Golden Mentor: Warum die Alterung der Gesellschaft eine Chance ist




 

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Globalisierung, Konnektivität, Neo-Ökologie: es gibt eine ganze Reihe gesellschaftlicher Mega-Trends, die in den kommenden Jahrzehnten die weiteren Entwicklungen in Wirtschaft, Politik und Kultur bestimmen werden. Zu diesen Veränderungsprozessen gehört auch der demografische Wandel, der fast immer mit negativen Schlagzeilen in Verbindung gebracht wird: erodierende Rentensysteme, explodierende Gesundheits- und Pflegekosten, fehlende Fachkräfte. Dass die Alterung von Gesellschaften auch positive Seiten hat oder der steigende Anteil älterer Bevölkerungsgruppen womöglich die Zukunftsfähigkeit einer Gesellschaft sichert – das sind Gedanken, die erst einmal Skepsis hervorrufen. Doch es lohnt sich, den unaufhaltsamen Wandel auch einmal von einer anderen Seite aus zu betrachten.

Weltweite Alterung

Die Alterung von Gesellschaften ist ein weltweites Phänomen. Mit Ausnahme einiger Subsahara-Staaten sind alle Länder davon betroffen, unabhängig von ihrem Entwicklungsstand. Es gibt Unterschiede in der Ausgangslage und in der Geschwindigkeit, mit der der Alterungsprozess voranschreitet, aber kaum ein Land unserer Erde kann sich dieser Entwicklung entziehen und muss sich dem daraus resultierenden Anpassungsdruck – früher oder später – stellen. Am weitesten fortgeschritten ist der Alterungsprozess in Europa, gefolgt von Nordamerika und Ozeanien. Aber auch in Asien und Lateinamerika wird sich die Altersstruktur bis 2050 auf nordamerikanischem Niveau bewegen. Hier gibt es auch das höchste Tempo bei der Alterung zu verzeichnen, insbesondere in China. (Quelle: s.u.)

In vielen Ländern gibt es bereits Programme und Strategien, um dem demografischen Wandel zu begegnen. Während entwickelte Staaten meist auf eine Verjüngung durch gezielte Zuwanderung setzen, ruht in Schwellenländern und weniger entwickelten Staaten die Hoffnung auf einen (noch) anhaltenden Überschuss an Erwerbstätigen, durch den genug Wohlstand erzeugt werden kann, um den späteren Rückgang der Erwerbstätigenzahl bei gleichzeitigem Anwachsen älterer Bevölkerungsteile zu kompensieren.

Gewandelte Kultur des Alterns

Unbestritten sind mit der Alterung von Gesellschaften viele Herausforderungen verbunden. Es entsteht eine hohe Veränderungsdynamik, die soziale, politische und kulturelle Ebenen umgreift. Doch die Horrorszenarien von nicht bewältigbaren Kosten und vom Krieg der Generationen, die vielerorts gezeichnet werden, ignorieren, dass Alter und Altern selbst einem Wandel unterliegen und die hergebrachten Vorstellungen vom „Defizit Alter“ längst überholt sind. Sicherte die Rente früher jenen, die, verbraucht vom Leben, nicht mehr arbeiten konnten, noch für zwei, drei Jahre einen „Lebensabend“, so beginnt heute mit dem Renteneintritt für die meisten Menschen in den entwickelten Gesellschaften ein neuer Lebensabschnitt mit einem Planungshorizont von 10, 20 Jahren oder mehr. Und „die Alten“ sind keinesfalls jene homogene Masse, zu der die Statistik sie gerne macht. So wie die Individualisierung unsere gesamte Gesellschaft bestimmt, so nehmen auch die individuellen Formen des Alterns zu. „Multi-Aging-Kultur“ nennt das das Zukunftsinstitut in seiner aktuellen Dokumentation zum Thema Megatrends (s.u.).

Das bedeutet, dass sich für viele Menschen im Alter neue Perspektiven und Chancen eröffnen, die sie auch nutzen. Ältere werden viel länger aktiv bleiben und sich und ihre Fähigkeiten in die Gesellschaft einbringen und Verantwortung übernehmen. Das gilt für ehrenamtliche Tätigkeiten und bürgerschaftliches Engagement genauso wie für die Wirtschaft. Statt alte Menschen hauptsächlich als Kostenfaktor im Renten- und Pflegesystem zu sehen, könnten (und sollten) die alternden Bevölkerungsteile als Potenzial erkannt werden.

Positive Folgen des demografischen Wandels

  1. Wachstumsmärkte durch Alterung

In entwickelten Ländern sind ältere Menschen die einzig wachsende Konsumentengruppe. Und die Alten von Morgen (also die jetzige Generation 50 plus) sind kaufkräftig, technologisch versiert und konsumgewohnt wie keine Generation vor ihnen.

In unserer alternden Gesellschaft entstehen daher enorme Wachstumsmärkte. Hier stehen wir erst ganz am Anfang, was z.B. die Entwicklung von altersgerechten Assistenzsystemen und Automatisierungen im häuslichen Umfeld angeht. Immer mehr alte Menschen werden immer länger in ihrer eigenen Wohnung leben und Gebrauch von individuell zugeschnittenen digitalen Assistenten und Robotern machen. In Deutschland fördert die Bundesregierung die Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen, die dazu beitragen, dass ältere Bürgerinnen und Bürger ihren Alltag in ihrem gewohnten sozialen Umfeld weitgehend ohne fremde Hilfe bewältigen können, Stichwort: Ambient Assisted Living. Von dem Verbleib alter Menschen in ihren Häusern und Wohnungen profitiert aber auch das klassische Handwerk, z.B. durch Umbauten für mehr Barrierefreiheit.

Ein weiterer Wachstumsmarkt ergibt sich im Gesundheitssektor. Immer mehr alte und immer älter werdende Menschen treiben den Gesundheits-, Pflege- und Sozialsektor an. Dies macht sich etwa für Unternehmen in den Bereichen Medizintechnik, Pharma und Biotechnologie positiv bemerkbar. Ein stark wachsendes Feld ist auch der sog. zweite Gesundheitsmarkt, zu dem Angebote wie alternative Medizin, Coaching, Wellness, Fitness, Ernährungsberatung, Nahrungsergänzungsmittel oder Gesundheitsreisen zählen.

  1. Höhere Produktivität durch Alterung

Als Folgen des demografischen Wandels werden gern die Zunahme öffentlicher Ausgaben und eine Minderung des Wachstums des Bruttoinlandsproduktes prognostiziert, gern auch mit konkreten Zahlen. Doch Umfang und Ausmaß solcher Entwicklungen lassen sich nur sehr ungenau bestimmen, weil andere Faktoren unberücksichtigt bleiben. Die Zahl der Erwerbstätigen könnte z.B. durch die höhere Erwerbsquote von Frauen und durch längere Lebensarbeitszeiten weniger stark fallen als vorhergesagt.

Da die Menschen nicht immer nur älter werden, sondern auch immer länger gesund bleiben, werden Ältere künftig häufiger länger arbeiten oder auch nach dem offiziellen Renteneintrittstermin neue Beschäftigungen aufnehmen oder selbständige Tätigkeiten ausüben.

Zudem merkt man schon heute, dass Erfahrungswissen in der Wirtschaft wieder wichtiger wird. Das „lebenslange Lernen“ ist ja keine Erfindung des letzten Jahrzehnts. Für viele der künftigen Alten, die in 10 Jahren das Rentenalter erreichen, sind beständige Weiterbildungen eine gut gepflegte Selbstverständlichkeit. Solche Arbeitskräfte, die ihr Berufsleben lang immer neues Wissen erworben haben und dies weiter tun wollen und zugleich auf einen reichen Schatz an (fachlichen und menschlichen) Erfahrungen zurückgreifen können, sind für Unternehmen eine wertvolle Ressource.

  1. Höhere Weisheit durch Alterung – Golden Mentors

„Wissen ohne Weisheit ist blöd!“ Dieser Satz stammt aus einem Interview mit dem Psychiater Prof. Dr. Michael Lehofer (s.u.). Im historischen Rückblick zeige sich, so Lehofer, dass sich unsere Gesellschaft von einer Weisheits- zu einer Wissenskultur entwickelt habe. Zwar plädiert er nicht für eine Rückkehr, wohl aber für eine Rückbesinnung auf den Wert der Weisheit – gerade in unserer wissens- und technologiegetrieben Zeit.

Das Altern macht Menschen nicht automatisch weise, doch ist Lebenserfahrung eine notwendige Voraussetzung dafür. Weisheit entsteht aus der Fähigkeit, existenzielle und traumatisierende Erfahrungen angemessen zu verarbeiten. Weise Menschen nehmen auch Einbrüche im Leben an und entwickeln sich an ihnen weiter. Gelassenheit und Heiterkeit zeichnen sie aus. Menschen, die Verletzungen nicht gut verarbeiten können, neigen dagegen zu Verbitterung. Sie werden alt, aber nicht reif und weise. Durch den demografischen Wandel wächst das Potenzial an weisen Menschen und somit auch der Reifegrad unserer Gesellschaft.

Für Unternehmen wird künftig ein Lebensstiltypus immer wichtiger werden, den das Zukunftsinstitut als einen der drei Repräsentanten der wichtigsten Megatrends der 2020er Jahre identifiziert hat: der Golden Mentor. Knapp 10 Millionen Menschen fühlen sich in Deutschland diesem Lebensstil zugehörig, den drei Merkmale besonders auszeichnen:

  • Lebenslange Weiterbildung
  • Wirtschaftliche Produktivität auch im höheren Alter
  • Umwandlung von Lebenserfahrung in Weisheit

Was die Golden Mentors für Unternehmen so wertvoll macht, ist ihre Fähigkeit, Dinge stets in einem größeren Kontext zu sehen und unterscheiden zu können, was in einem bestimmten Moment wichtig ist und was nicht. Mit ihrer vielseitigen Bildung, ihrem Pflicht- und Verantwortungsbewusstsein, mit ihrer Disziplin und der Selbstverständlichkeit, mit der sie für ihre persönliche Unabhängigkeit und Selbständigkeit sorgen, bilden die Golden Mentors ein Gegengewicht zu Beschleunigung, Getriebenheit, Kurzlebigkeit, Unsicherheit. Sie sind es auch, die bei der Entwicklung von stärker sinn- und werteorientierten Unternehmen einen entscheidenden Anteil haben könnten.

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Quelle Foto: @ nashua volquez – pexels.com

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