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Gesten der Macht – Körpersprache mal anders gesehen




 

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Egal ob im Tierreich oder im Business – die Gesten von Macht und Dominanz sind immer gleich: sich groß machen, breit machen, Raum einnehmen. Wenn Sie als Chefin oder Chef einen Raum betreten, tun Sie gut daran, sich aufzurichten, den Rücken durchzustrecken – Brustkorb raus! – und die Arme locker geöffnet zu halten. Der Körper spricht. Und wir wissen, dass das, was unser Körper zu sagen hat, oft einen größeren Anteil an der Kommunikation hat, als das, was wir mit Worten sagen. Versuchen Sie doch einfach mal, in kauernder Position, mit zu einem Zopf verschränkten Beinen, am Körper klebenden Armen und schräg geneigtem Kopf Ihre Position durchzusetzen. Viel Spaß – klappt nicht! Das non-verbale Verhalten bestimmt, wie andere uns wahrnehmen.

 Das Selbstgefühl bestimmt die Körperhaltung

Viele Trainings und Coachings zum Thema Körpersprache zielen dementsprechend darauf ab, den eigenen körpersprachlichen Ausdruck so zu modifizieren, dass bestimmte Wirkungen auf andere Menschen (Überzeugungskraft, Selbstbewusstsein, Sympathie usw.) erreicht werden. Dabei geht es häufig darum, das Mindset zu ändern, an den eigenen Gedanken und Gefühlen zu arbeiten, um einen authentischen Ausdruck zu erlangen. Auch ich habe damals, als ich noch an der Uni unterrichtete, meinen StudentInnen eingeimpft, in Prüfungssituationen selbstbewusster aufzutreten, sich klar zu machen, wie gut sie sind, welche Stärken sie haben, welche Power sie haben. Der Gedanke, der dahinter steht, ist: Das Bewusstsein bestimmt den körpersprachlichen Ausdruck.

Die Körperhaltung bestimmt das Selbstgefühl

Doch man kann den Spieß auch umdrehen. Die Körperhaltung, der körpersprachliche Ausdruck bestimmt, was ich denke und wie ich mich selbst fühle. Bereits in den 1970er Jahren prägte die Sozialwissenschaftlerin Arlie Russell Hochschild den Begriff „emotion work“. In ihrem Werk „Das gekaufte Herz“ (dt. 1990) untersuchte sie am Beispiel von Flugbegleiterinnen und Rechnungseintreibern, also zwei Berufsgruppen, denen im Umgang mit ihren Klienten ganz spezifische Emotionen abverlangt werden, wie diese es schaffen, die gewünschten Gefühle bei sich selbst zu erzeugen. Hochschild fand heraus, dass ein „surface acting“ wie z.B. das freundliche Lächeln, mit dem man – ungeachtet der tatsächlichen Befindlichkeit – Fremden „an der Oberfläche“ begegnet, nicht ausreicht, um den eigenen Gefühlsausdruck in Art und Intensität den beruflichen Erfordernissen anzupassen. Nötig ist eine absichtsvolle Neugestaltung der eigenen Emotionen, ein „deep acting“. Dazu können verschiedene Techniken eingesetzt werden wie z.B. das aus dem NLP bekannt Reframing.

Emotion Work – expressive Techniken

Spannender aber ist Hochschilds Verweis auf die „expressive Technik“, die auf der Ausführung von Gesten beruht. Durch das Ausführen von Gesten, die gewöhnlich bestimmte Gefühle begleiten wie z.B. die „Siegerpose“, können Emotionen gezielt hervorgerufen werden. Wer also regelmäßig bestimmte Gesten und Körperhaltungen einnimmt, verändert sein Selbstgefühl, was wiederum auf den körpersprachlichen Ausdruck zurückwirkt. Auf diese Weise entsteht ein sich selbst verstärkender Kreislauf: Der Körper wirkt auf die Psyche, die Psyche wirkt auf den Körper, der Körper wirkt… usw.

 In der letzten Ausgabe des Harvard Business Manager fand ich jüngst einen Hinweis auf die Arbeiten der Sozialpsychologin Amy Cuddy. Sie untersuchte im vergangenen Jahr  – mehr als 30 Jahre nach Hochschild – welchen Einfluss unser non-verbales Verhalten darauf  hat, was wir über uns selbst denken und wie wir uns selbst fühlen. Dazu arrangierte Cuddy einige Experimente, in denen Probanden „High-Power“- und „Low-Power“-Posen einnahmen. Ihr Ergebnis: Bereits zwei Minuten in einer bestimmten Körperhaltung reichen aus, um den Hormonspiegel und damit das Befinden zu verändern. In der „High-Power“-Haltung stieg das Dominanz-Hormon Testosteron deutlich an, während das Stress-Hormon Cortisol signifikant abnahm. In der „Low-Power“-Haltung verhielt es sich genau umgekehrt. In einem anschließenden Experiment konnte Cuddy zeigen, dass sich auch Verhalten und Einstellung der Probanden änderten, z.B. in puncto Risikobereitschaft. Eine Zusammenfassung ihrer Forschungsergebnisse gibt es in diesem Video, das allerdings an einigen Stellen ziemlich american style ist; da muss man dann durch.

 Fazit

Fazit: Der Zusammenhang zwischen Körperhaltung und Selbstgefühl (Selbstvertrauen, Selbsteinschätzung, Selbstbewertung….) ist keine Einbahnstraße. Gesten der Macht sind nicht allein Ausdruck eines starken Selbstwertes oder des Bewusstsein von Stärke. Gesten der Macht können gezielt eingesetzt werden, um innere Stärke zu erlangen.

Quelle Foto: © alessandrozocc – Fotolia.com

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