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Der Deming-Cycle und Scrum




 

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William Edwards Deming (1900-1993) war ein US-amerikanischer Statistiker und Wirtschaftsexperte mit großem Einfluss auf das Qualitätsmanagement und die Entwicklung der Wirtschaft in Japan und der ganzen Welt. General Mac Arthur holte ihn nach dem zweiten Weltkrieg in das industriell zerstörte Japan als Berater für die japanischen Topmanager. Demings Wirken blieb in den USA und Europa zunächst unbeachtet, diente in der japanischen Wirtschaft jedoch als zentrale Inspiration für die japanische Managementlehre. So beeinflusste sein Denken die Entstehung des Toyota Production System und der Lean Management Bewegung. In dieser Tradition steht auch Scrum, die agile Methodik Softwaresysteme zu erstellen.

Ein wesentlicher Baustein seiner Lehre ist der Deming-Cycle oder auch (P)lan-(D)o-C(heck)-(A)ct-Cycle, der auf die Ideen seines Lehrers Shewhart zurückgeht. Nach dieser Idee muss jeder Prozess geplant (P), durchgeführt (D), geprüft (C) und auf der Basis der gewonnenen Erkenntnisse verbessert (A) werden. Das ständige Wiederholen dieser Phasen des Kreislaufs führt zu einer kontinuierlichen Verbesserung des Prozesses; ich nenne den PDCA-Zyklus deshalb gerne auch Lernkreislauf.

Boris Gloger (Boris Gloger: Scrum, Hanser 2008, S.48) verwendet als anschauliches Beispiel für dieses Lernen das Vorgehen bei einem Computerspiel. Seinem Beispiel folgend hier die Grundidee verkürzt dargestellt: Man legt sich eine Taktik zurecht, wie man das nächste Level erreichen möchte (P). Die Computerfigur rennt los, wird aber von einem Monster überrascht und verliert (D). Man prüft das Ergebnis (C) und passt seine Taktik an (A). Man versucht es erneut, immer wieder, bis man alle Tricks des Levels gelernt hat und die nächste Stufe erreicht.

Schaut man sich den Ablauf in Scrum genauer an, so wird deutlich, dass die wesentliche Komponente genau der PDCA-Zyklus ist, er wird sogar verschachtelt zweifach angewendet:

Für einen Scrum Sprint gilt nämlich:

  • P: das Sprint Planning Meeting
  • D: Implementierung der vom Team gewählten Product Backlog Items zu einem lauffähigen System
  • C: im Sprint Review Meeting wird überprüft, ob die Ziele erreicht wurden. Das lauffähige System wird geprüft.
  • A: In der Sprint Retrospektive werden die Verbesserungsmöglichkeiten für den nächsten Sprint und das weitere Vorgehen im Projekt identifiziert

Für einen Tag im Sprint gilt:

  • P: Im Daily Scrum wird von jedem Team-Member gesagt, was es an diesem Tag machen möchte
  • D: Am Tag werden die angesprochenen Tasks durchgeführt
  • C: Im Daily Scrum werden die Fragen beantwortet: Was habe ich gemacht? Welche Hindernisse (Impediments) sind aufgetreten
  • A: Der Scrum Master ist dafür verantwortlich, die Hindernisse zu beseitigen. Die Team-Mitglieder passen ihr Verhalten aufgrund der im Daily Scrum diskutierten Themen Tag für Tag an.

Für mich macht diese konsequente Anwendung des PDCA-Cycles den Erfolg von Scrum aus. In komplexen Umgebungen wie einem Computerspiel – oder noch komplexeren wie einem Projekt – ist das Lernen des besten Weges einfach notwendig.

 

 

Quelle Bild: © S.John – Fotolia.com

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