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Mehr Gelassenheit…




 

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Mehr Gelassenheit täte vielen Führungskräften gut. Wie wahr ist doch der schöne, mehr als 100 Jahre alte Aphorismus der Freifrau Marie von Ebner-Eschenbach: „Die Gelassenheit ist eine anmutige Form des Selbstbewußtseins“. Wer gelassen bleibt, behält die Fassung, bewahrt einen klaren Kopf, bleibt handlungsfähig. Gelassenheit ist das Gegenteil von Stress und innerer Unruhe. Sie schont die Kräfte und verhilft in brenzligen Situationen zu einer überlegenen Position. Das macht Gelassenheit so attraktiv.

Nicht zufällig haben sich schon die Philosophen der Antike mit dem Phänomen der „Gemütsruhe“ befasst (z.B. Sophrosyne als sokratische Tugend oder die Stoiker). Auch in der christlichen Mystik und im Buddhismus ist der Gleichmut als ein Zurücknehmen des eigenen Selbst ein wichtiges Thema. Zu einer gefährlichen Tugend wird Gelassenheit allerdings dann, wenn sie in Gleichgültigkeit oder in fatalistische Schicksalsergebenheit mündet. Auch dafür gibt es zahlreiche Beispiele.

Gelassenheit kann man lernen. Diese Erfahrung habe ich in meiner Ausbildung zum systemischen Coach gemacht. Eine der für mich schwierigsten Übungen bestand darin, während des Coachings „dissoziiert“ zu bleiben. Als Coach muss man sich mit seinen persönlichen Interessen und Motiven komplett zurücknehmen. Man darf nicht emotional auf Äußerungen oder Verhaltensweisen des Klienten „anspringen“, sondern muss den Klienten stets neutral und unvoreingenommen durch seinen Selbstlernprozess führen. Das war eine gute Schule für mich, denn es bedeutete Geduld zu üben und eine Abkehr von der eigenen Ich-Bezogenheit.

Nun ist so eine Coach-Ausbildung recht aufwändig, und auch wenn ich anderen Führungskräften immer dazu raten würde, sich in diesem Bereich fortzubilden, ist sie natürlich keine Voraussetzung für das Erlernen von Gelassenheit. Es gibt auch ein paar Erste-Hilfe-Regeln, die sehr nützlich und schnell umsetzbar sind. Wenn Sie also das nächste Mal kurz davor sind, aus der Haut zu fahren, in einen Clinch einzusteigen oder in Stress zu geraten, dann halten Sie doch einfach mal inne und stellen sich schnell einige der folgenden Fragen:

  • Was genau ist an dieser Situation so stressig/ärgerlich/bedrohlich?
  • Was hat die Angelegenheit mit mir als Person zu tun?
  • Wie würde ein Außenstehender (z.B. mein bester Freund) die Situation beurteilen?
  • Welchen Einfluss habe ich auf die Situation? Kann ich sie ändern?
  • Wie wichtig ist die Angelegenheit wirklich?
  • Wie werde ich in 1 Woche, in 1 Monat, in 1 Jahr über diesen Vorfall denken? Und wie in 20 Jahren?
  • Was könnte im schlimmsten Fall passieren? Wie wahrscheinlich ist das?
  • Welche positiven Seiten könnte die Sache im Nachhinein haben?

Viel Erfolg!

 

 

Quelle Foto: © SerrNovik – Fotolia.com

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