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„Agile is dead“ – Abgesang auf eine Idee, die zur Marketinghülse wurde




 

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„Agile“ sells. Die „Agile Community“ ist heute wenig mehr als ein Marktplatz für Freelancer und Vertriebler, die ihre Dienstleistungen und Produkte verkaufen wollen. „Agile“ ist in den letzten Jahren immer mehr zu einer Marketinghülse geworden, ähnlich wie das Label „öko“. 13 Jahre nach Erscheinen des „Agile Manifesto“ zieht Dave Thomas, einer der Erstunterzeichner des Manifestes, eine nüchterne Bilanz. Er beschreibt auf seinem Blog, wie die ursprüngliche Idee im Prozess der Kommerzialisierung ihre Bedeutung verliert, wie das agile Vorgehen künstlich verkompliziert und aufgeblasen wird, um entsprechende Tools und Services verkaufen zu können. Auch die Erschließung stetig neuer Kundenkreise entzieht sich nicht seinem kritischen Blick. Galt „agile“ zunächst als etwas, das man Entwicklern verkaufen konnte (Zertifizierungskurse für Scrum Master und später Product Owner galten anfangs als Gelddruckmaschine), so geht es heute um agile Führungskräfte, agile Personalentwicklung oder gleich agile Unternehmen im Ganzen.

In dem Maße, in dem eine Idee populär wird, zieht sie Leute an, die sich an ihre Monetarisierung machen. Dieses Schicksal teilt „agile“ mit vielen anderen Konzepten. Dave Thomas will das nicht hinnehmen. Es sei an der Zeit gegenzusteuern, sagt er, und die Developer selbst sollten sich die Agilität in der Softwareentwicklung zurück erobern – in ihrer ganzen Einfachheit, ohne überladene Prozesse, überflüssige Tools und selbsternannte Besserwisser. Ich empfehle den Vortrag, den Dave Thomas am 18.06.2015 als Keynote auf der „goto;conference“ in Amsterdam gehalten hat, als ebenso kurzweiligen wie denkwürdigen Diskussionsbeitrag im Themenfeld Agilität. Viel Spaß beim Zuhören!

Quelle Foto: @ cialinart – Fotolia.com

 

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