Artikel versenden

Draw Toast – Workshopmethode zur Problemlösung




 

// / / / / /

Wenn ihr Probleme lösen wollt, macht mehr Toast! Nicht, weil es vielleicht lecker wäre, sondern weil das gleichnamige „Wicked Problem Solving Tool“ ein wunderbares Mittel ist, um in Workshops erlebbar zu machen, wie unterschiedlich Menschen an Problemstellungen herangehen. Verschiedene Vorstellungen, Sichtweisen und Wissensstände – das ist der Ausgangspunkt, von dem jedes Vorhaben in Unternehmen startet. Ein gemeinsames Verständnis von Realitäten und Zielen zu schaffen, ist deshalb immer notwendig. Oft wird diese Aufgabe unterschätzt.

Draw Toast ist eine spielerische Design-Methode, die Visualisierungs-Pionier Tom Wujec vor einem systemtheoretischen Hintergrund entwickelt hat. In kurzer Zeit gelingt es damit, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, in welchen persönlichen Denkmodellen die Beteiligten verhaftet sind – und welche Gemeinsamkeiten es gibt. Doch Draw Toast kann noch mehr: Mit der Methode können umfangreiche gemeinsame Modelle geschaffen werden, so z.B. für eine Sales-Strategie, eine Business-Vision, die Optimierung der Customer Experience usw. bis hin zu einer Abbildung und Verbesserung sämtlicher Geschäftspraktiken eines Unternehmens. Und so geht’s:

Schritt 1: Zeichnen hilft verstehen

Verteilen Sie Papier und Stifte an die TeilnehmerInnen. Bitten Sie sie darum, in einer Zeichnung darzustellen, wie man Toast macht. Es sollen nur Bilder und keine Schrift benutzt werden. Jeder zeichnet für sich allein in Stillarbeit. Lassen Sie Aussagen wie „Ich kann aber nicht malen.“ nicht  gelten; es ist kein Kunstwettbewerb. Setzen Sie die Timebox auf 3-4 Minuten. Anschließend pinnen alle ihr Bild an die Wand. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit werden Sie sehr unterschiedliche Zeichnungen erhalten.

Manche zeichnen den Toaster selbst und stellen seine technische Funktionsweise dar. Andere fangen bei der Aussaat des Weizenkorns an und stellen die gesamte Supply Chain dar. Wieder andere stellen das Genusserlebnis in den Vordergrund und zeichnen fröhliche Menschen, die ihren Toast dick mit Butter und Marmelade bestreichen. Nicht immer wird ein Toaster gezeichnet, manchmal kommen auch Pfannen oder offenes Feuer ins Spiel. Oder die Toastscheiben werden einfach nur belegt. Hier ein paar Beispiele.

Bei allen Unterschieden gibt es aber immer auch Gemeinsamkeiten. Reflektieren Sie gemeinsam mit den TeilnehmerInnen die Bilder. Was fällt auf? Welche Bilder sind simpel, welche komplex? Auf welchen Bildern sind Menschen zu sehen? Was steht jeweils im Vordergrund. Und wo gibt es Gemeinsamkeiten? Auf fast allen Bildern werden Knotenpunkte und Verbindungen in Form von Linien oder Pfeilen zu sehen sein. Die Knotenpunkte repräsentieren die greifbaren Objekte wie das Toastbrot oder Menschen. Die Verbindungen repräsentieren die Beziehungen zwischen den Objekten. Die Kombination aus Knotenpunkten und Verbindungen ergeben ein systemisches Modell. Beim Zeichnen können komplexe Zusammenhänge in Einzelteile zerlegt und wieder zusammengefügt werden – das fördert das Verstehen von Problemen und Herausforderungen ganz erheblich.

Schritt 2: Iteration schafft Klarheit

Bitten Sie die TeilnehmerInnen nun, die Übung zu wiederholen, dieses Mal jedoch unter Verwendung einzelner Karten (Post it, Statty Notes o.ä.). Jeder Schritt des Vorgangs „Toastmachen“ erhält nun eine eigene Darstellung. Wieder soll jeder für sich allein arbeiten. Jetzt werden die Zeichnungen viel detaillierter ausfallen. Die TeilnehmerInnen werden die Karten wir Puzzleteile auf dem Tisch bewegen und immer wieder neu arrangieren, ergänzen, aussortieren. Die schnelle Iteration von Ausdrücken, Reflektieren, Analysieren und Anpassen schafft Klarheit und schält die entscheidenden Knotenpunkte und Verbindungen des Modells heraus. Die Bereitschaft, ein Modell zu verändern ist desto höher, je einfacher wir seine Darstellung verändern können. Durch die Verwendung von Karten verlieren die Abbildungen der Modelle ihre statische Komponente und die Lust am Ausprobieren und Verändern steigt – das macht die Modelle meistens besser.

Schritt 3. Kollaboration führt zum Ziel

Zuletzt geht es darum, die einzelnen Modelle zusammenzuführen. Ziel ist es, am Ende ein gemeinsames Modell zu haben, in dem es keine Doppelungen mehr gibt und eine klare Abfolge erkennbar ist. Verbale Kommunikation ist auch bei diesem Schritt zu vermeiden. Diskussionen halten auf und stören die Konzentration. Draw Toast in der Gruppe verbreitet erst einmal Chaos. Im Laufe der Überarbeitungen werden aber die zentralen Knotenpunkte immer deutlicher und es kristallisiert sich ein gemeinsames Bild heraus, in das verschiedene Sicht- und Herangehensweisen eingeflossen sind. Die Zeitvorgabe sollte auch in dieser Phase nicht zu großzügig sein. Je nach Gruppengröße und vorhandenem Material sind 7-9 Minuten geeignet.

Fazit

  • Zeichnen hilft, etwas als System mit Knotenpunkten und Verbindungen zu begreifen.
  • Bewegliche Karten verbessern die Modelle, weil Dinge leichter verändert werden können.
  • Gruppenarbeit bringt die umfangreichsten Modelle hervor, weil verschiedene Sichtweisen in einem Modell zusammengefasst werden. In der Regel erzielt die Gruppenarbeit bessere Ergebnisse als die Einzelarbeit.

Draw Toast ist eine kurzweilige und einprägsame Methode, die so manches Aha-Erlebnis verschafft. Man kann es im Workshop bei der Übung zum Thema Toast belassen oder z.B. sogar nur den ersten Schritt durchführen, wenn man ein Bewusstsein für die Verschiedenartigkeit von Herangehensweisen und Perspektiven schaffen möchte. Richtig wertvoll wird Draw Toast aber erst, wenn man den Toastkontext verlässt und sich im Anschluss an die Übung den tatsächlichen Problemstellungen und Herausforderungen stellt. Das Vorgehen ist das Gleiche, jedoch braucht man insgesamt natürlich mehr Zeit. Tom Wujec berichtet von einem großen Verlagshaus, das binnen eines 3-Tage-Visualisierungsmarathons sein gesamtes Geschäft unter die Lupe und auseinandergenommen hat. In der Folge verbuchte das Unternehmen Wujec zufolge 50 Mio. US-Dollar mehr Umsatz und kletterte im Kundenranking von einem D auf ein A.

Das benötigen Sie für Ihren Draw Toast Workshop: ausreichend freie Wandfläche oder Moderationswände, Tische und Stühle, einen Stapel Zeichenpapier, Stifte, Statty Notes, Post-its oder Moderationskarten, Timer. Viel Spaß beim Ausprobieren!

Sehenswert ist auch der TED-Talk mit Tom Wujec zu Draw Toast.

Auch interessant:

Quelle Foto: Pexels.com

| Keine Kommentare

 
Top | Impressum | Datenschutz