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Entdecken Sie Ihre wahren Stärken!




 

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Wenn du weißt, was du kannst, kannst du tun, was du willst! (frei nach Moshé Feldenkrais) Das klingt leichter als es ist, denn die eigenen Stärken zu erkennen und angemessen einzusetzen, ist alles andere als trivial. Wir sind es als business people zwar gewohnt, uns Gedanken darüber zu machen, wie andere so „ticken“ und entsprechende Typologien zu nutzen („wieder so ein Nähe-Typ“, „hier brauchen wir einen Finisher“) – Selbsterkenntnis fällt den meisten aber deutlich schwerer. Und wenn wir uns doch mal mit uns selbst befassen, dann stehen in aller Regel nicht die Dinge, die wir gut können, im Vordergrund, sondern das, was uns zu schaffen macht: unsere Schwächen.

Viele Menschen laborieren Jahre und Jahrzehnte lang an (vermeintlichen) Schwächen herum, um diese loszuwerden. Für ihre Stärken haben sie hingegen kaum einen Blick übrig. Woran liegt das?

  • Stärken werden oft als selbstverständlich betrachtet. Wenn im Business etwas gut läuft, ist es nicht der Rede wert. Der Fokus liegt immer auf den Dingen, die nicht funktionieren, die man verbessern will. So ist das auch bei den eigenen Fähigkeiten. Bestimmte Stärken fallen einem gar nicht (mehr) auf, weil es „normal“ ist, sie einzusetzen. Schwächen gelten als Störfaktoren und werden der Optimierung unterworfen.
  • Die Kontextabhängigkeit von Stärken und Schwächen wird nicht erkannt. Bestimmte Fähigkeiten und Eigenschaften können sowohl als Stärke als auch als Schwäche in Erscheinung treten – je nachdem, in welchem Kontext man sich befindet. Eine hohe Eigeninitiative ist z.B. in Führungspositionen ein Muss, in der Teamarbeit kann sie sich aber auch als Hindernis erweisen. Sorgfältig planen zu können ist z.B. bei Bauvorhaben oder Unternehmensgründungen eine Stärke, bei Veränderungsprojekten oder in Krisensituationen hingegen ist dieses Verhalten nicht nur nicht hilfreich, sondern kann zu schweren Problemen führen. Wenn sich Situationen häufen, in denen die eigenen Kompetenzen und das eigene Verhalten als nicht passend erlebt werden, entsteht der Eindruck: Hier habe ich eine Schwäche. Die andere Seite der Medaille, die Stärke, wird nicht mehr gesehen.
  • Es fehlt das Bewusstsein dafür, dass hinter (vermeintlichen) Schwächen oftmals übersteigerte Stärken stecken. So ist Pedanterie nichts Anderes als übertriebene Sorgfalt. Jeder ist also eingeladen, sich einmal zu überlegen, welche übertriebenen Stärken sich in seinen Schwächen manifestieren – und zu schauen, welche Auswirkungen der überzogene Einsatz auf seine Arbeit, sein Umfeld und sich selbst hat.

Der Psychologe und Stärkentrainer Frank Rebmann empfiehlt, die eigene Energie da einzusetzen, wo besondere Fähigkeiten und Talente sind. Sich auf das Ausmerzen von Schwächen zu konzentrieren sei in den meisten Fällen reine Energieverschwendung. Rebmann hat eine Checkliste mit zehn Fragen entwickelt, die helfen sollen, die eigenen Stärken zu identifizieren. Ich gebe die Fragen hier etwas verkürzt wieder, die vollständige Liste mit Erläuterungen findet sich in „wirtschaft + weiterbildung“, 02/2016, S. 55.

  1. Was geht Ihnen leicht von der Hand?
  2. Was gibt Ihnen Energie?
  3. Wo erzielen Sie gute Ergebnisse?
  4. Wann fühlen Sie sich „echt“?
  5. Was lernen Sie schnell?
  6. Auf welche Themen konzentrieren Sie sich, was finden Sie spannend?
  7. Was konnten Sie als Kind schon sehr gut?
  8. Wann ist Begeisterung in Ihrer Stimme?
  9. Wann verwenden Sie Formulierungen wie „am liebsten…“, „es wäre toll, wenn…“?
  10. Bei welchen Tätigkeiten vergessen Sie die Zeit?

Bei der Beantwortung der Fragen stößt man nicht nur auf die Stärken, die man häufig nutzt (auch wenn dies nicht immer bewusst ist), sondern auch auf die Stärken, die allzu oft ungenutzt bleiben. Hier kann man weiter bohren und sich überlegen, was einen davon abhält, diese Fähigkeiten einzusetzen. Dies können z.B. auch verzerrte oder überholte Rollenvorstellungen sein: Chefs sollten nicht so viel Einfühlungsvermögen zeigen, Controller brauchen keine Kreativität usw. In einem zweiten Schritt wäre zu reflektieren, in welchen konkreten Situationen diese Stärken ausgepackt werden könnten.

Neben der oben zitierten Checkliste gibt es natürlich noch zahlreiche andere Möglichkeiten, sich mit den eigenen Stärken auseinanderzusetzen. Dazu zählen Persönlichkeitstests wie z.B. die Motivstrukturanalyse (MSA) oder auch spezielle Coachings. Weniger aufwendig, aber mindestens ebenso erhellend ist es oft, sich Fremdeinschätzungen einzuholen. Am besten macht man das in ganz unterschiedlichen Kontexten: im Freundeskreis, in der Familie, im Sportverein, im Job bei KollegInnen, Vorgesetzten und MitarbeiterInnen, bei Nachbarn, bei Kindern usw.

Vielleicht haben Sie ja jetzt Lust bekommen, sich einmal Ihren Stärken zuzuwenden. Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Entdecken ungehobener Schätze!

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Quelle Foto: @julien tromeur – Fotolia.com

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