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Wider den Spieltrieb




 

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Sieht man sich die Fachkonzepte und Lastenhefte von IT-Projekten an, bekommt man häufig den Eindruck, es hätte die Frage im Vordergrund gestanden: „Was ist möglich?“.

Unglücklicherweise ist mit Software fast alles möglich, so dass den Forderungen nach Funktionalität keine natürlichen Grenzen gesetzt sind. Ganz im Gegensatz zu den klassischen Ingenieurwissenschaften, wo allein durch die Physik klare Grenzen des Machbaren vorgegeben sind. Bei IT-Systemen ist dies nicht der Fall, so dass in Spezifikationen jede denkbare Funktion auch definiert und jede Prozessvariante beschrieben wird.

Dies führt jedoch – falls denn das Projekt überhaupt erfolgreich abgeschlossen wurde – zu entsprechend komplexen Systemen. Diese bieten zwar im Idealfall alle zuvor beschriebenen Funktionen, in der Regel aber keine Flexibilität: Es ist dann nicht mehr möglich, aus den in der Software zementierten Prozessen auszubrechen. Anstelle eines flexibel einsetzbaren Werkzeugs, das den Benutzern dient, hat man ein System geschaffen, das seinerseits die Arbeitsweise diktiert.

Will man dies verhindern und sich die für Innovationen notwendige Flexibilität bewahren, muss man von Anfang an die Perspektive ändern: Eben nicht dem Spieltrieb erliegen und alles Machbare fordern, sondern sich darüber klar werden, was wirklich zwingend durch IT unterstützt werden muss. Behält man diese Sicht und bewertet die gewünschten Funktionen entsprechend, kann man Systeme schaffen, die unterstützen wo es sinnvoll ist und dennoch offen für den Sonderfall sind.

 

 

Quelle Foto: © HaywireMedia – Fotolia.com

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