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Cross Innovation – was der Blick in andere Branchen bringt




 

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Einfach mal schauen, wie Andere es machen. Das ist meist eine gute Idee und ganz besonders in Zeiten, in denen Märkte immer komplexer und Innovationszyklen immer kürzer werden. Dabei sollte der Blick aber nicht vorrangig den eigenen Wettbewerbern gelten, sondern über Branchengrenzen hinweg schweifen. Durch das kreative Kreuzen verschiedener Branchen entstehen Ideen für neue Produkte und Services, aber auch für die Verbesserung von Organisation und Prozessen. Angeschaut wird alles, technische Aspekte ebenso wie gestalterische, methodische genauso wie wirtschaftliche.

So können z.B. Operationsteams in Krankenhäusern von der Luftfahrt lernen (Sicherheit), Autobauer von der Spieleindustrie (Cockpitgestaltung) oder die Hersteller von Stadtplänen von der Textilbranche (crumpled maps lassen sich beliebig zusammenknüllen und in der Hosentasche verstauen wie das gute alte Taschentuch).

Aber wie genau soll das gehen (wenn man von Undercover-Einsätzen einmal absieht)? Um von Cross Innovations zu profitieren, gibt es verschiedene Möglichkeiten, und in mindestens einem Fall ist es nicht einmal nötig, das eigene Büro (oder Homeoffice) zu verlassen.

  • Kooperationsnetzwerke zwischen Kreativwirtschaft und anderen Unternehmen
  • Geführte Expeditionen
  • Firmenübergreifende Kooperationen
  • Cross Innovation Workshop mit dem eigenen Team

1. Kooperationsnetzwerke zwischen Kreativwirtschaft und anderen Unternehmen

Kreativschaffende stehen für Ideenreichtum und spezifische professionelle Kompetenzen z.B. im Hinblick auf methodische Herangehensweisen. Dies ist besonders in der Frühphase von Innovationsprozessen wichtig und macht die kreative Szene für eine Kooperation in Sachen Cross Innovation besonders attraktiv. Kreativlabs, in denen große Industrieunternehmen, aber z.B. auch Gründungswillige mit Kreativen zusammenkommen, um neue Prozesse und Produkte zu entwickeln, sind ein beliebtes Format. Diese Form von Cross Innovation wurde im vergangenen Jahr in einigen Bundesländern teilweise öffentlich gefördert.

Ein anderes Format ist der von Kreativschaffenden strukturierte und begleitete Austausch zwischen Unternehmen verschiedener Branchen. Hier gibt es diverse Workshop-Angebote, u.a. die vom Zukunftsinstitut durchgeführten „Trendexpeditionen“.

2. Geführte Expeditionen

Inspiration an verschiedenen Orten, das versprechen individuell zusammengestellte „Expeditionen“. Man kennt dieses Design aus dem Tourismus oder dem Bildungsbereich, wo Erlebnis- bzw. Lernorte zu einer Entdeckungstour kombiniert werden. Das Zukunftsinstitut bietet Expeditionen für Unternehmen an, bei denen die Teilnehmenden an mehreren Stationen innovative Start-ups und ihre Geschäftsmodelle kennenlernen können. Die so gewonnenen Erlebnisse und Erkenntnisse werden anschließend in einem Workshop nachbereitet.

Auch eine spezielle Expedition zum Thema Cross Innovation, bei dem junge Gründer*innen und Unternehmen besucht wurden, die ihre Geschäftsidee mit Prinzipien aus anderen Bereichen verknüpft haben, wurde bereits durchgeführt. Den Erlebnisbericht dazu gibt es hier.

3. Firmenübergreifende Kooperationen

Immer häufiger entstehen branchenübergreifende Kooperationen ganz ohne vermittelnde Instanzen. Diese Schulterschlüsse sind meist projektbezogen und zeitlich eng begrenzt. Einen weiteren Ansatzpunkt bietet das firmenübergreifende Peer-Coaching. Peer-Coaching ist eine Methode der strukturierten Beratung unter Kolleg*innen, die sich klassischerweise auf berufliche Themen wie Führung, Konflikte, festgefahrene Situationen usw. bezieht. (Wir setzen Peer-Coaching übrigens seit mehr als 10 Jahren ein und haben sehr gute Erfahrungen damit gemacht. Eine Anleitung für das Vorgehen habe ich hier beschrieben: Peer-Coaching bringt frische Ideen.)

Nachdem sich die Methode im Business zunächst nur zögerlich durchgesetzt hat, gibt es mittlerweile eine starke Nachfrage und seit einigen Jahren zeichnet sich sogar der Trend ab, dass Unternehmen sich zusammentun, um ihren Führungskräften einen Austausch auch über die Firmengrenzen hinaus zu ermöglichen. Dieses Vorgehen bietet einen guten Ansatzpunkt für Cross Innovations. Der Beratungsprozess könnte entsprechend angepasst werden, sodass es bei der Erarbeitung von Lösungsoptionen nicht um Projekt- oder Führungsthemen geht, sondern um die Entwicklung neuer Services und Produkte.

4. Cross Innovation Workshop mit dem eigenen Team

Wem Kooperationsnetzwerke und kuratierte Entdeckungsreisen erst einmal zu aufwändig erscheinen, der kann sich mit einem Team von bis zu 10 Personen selbst an die kreative Arbeit machen. Einfach zwei (oder mehr) Branchen auswählen und Assoziationen dazu sammeln, z.B. Gesundheitswesen: Krankenkasse, Apparatemedizin, Diagnostik, Medikamente, Kosten, Krankenhaus, Pflege, Schutzausrüstung, Gesundheitskarte usw. und Tourismus: Strand, Sonne, Erholung, Fernweh, landestypische Spezialitäten, Sehenswürdigkeiten, Reiseführer, Souvenirs. Anschließend werden Assoziationen kombiniert, um mögliche Cross Innovations abzuleiten: viel Spaß beim Überlegen 😉

Ein detailliertes Arbeitsblatt mit Vorlage für die Branchenauswahl per Würfel gibt es unter Mikromethoden.

Fazit

Cross Innovation ist keine klar umschriebene Methode, die einem definierten Ablauf folgt. Vielmehr geht es um eine kreative Einstellung und Herangehensweise. Was man in anderen Branchen an Anregungen findet, lässt sich nicht einfach kopieren. Der Umgang sollte spielerisch sein, auch und gerade wenn „abseitige“ Ideen auftauchen, die bei jedem Brainstorming in der Tonne landen würden. Das Ziel ist, nachweislich erfolgreiche Ansätze zu modifizieren und weiterzudenken.

Der Aufwand lohnt sich, denn man arbeitet mit den Erfolgsgeheimnissen aus anderen Bereichen. Und die sind im eigenen Geschäftsfeld total neu. Cross Innovations verändern den Blick darauf, wie, wofür, warum Produkte oder Dienstleistungen genutzt werden. Und deshalb haben sie das Potenzial für echte Disruptionen.

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Quelle Foto: @bloomua – Fotolia.com

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